Bescheidenheit ist keine Zier

Projekt Weltverbesserung: Nis-Momme Stockmanns Aussteiger verzweifeln wortreich an der Welt, Felicia Zellers «X-Freunde» machen ein Geschäft daraus und zahlen den Preis dafür

Bescheidenheit ist keine Zier. In der Kunst jedenfalls nicht. Und wir hatten in den letzten Jahren genug Anlässe, uns über die pragmatische Selbstbescheidung der Absolventen der Szenisches-Schreiben-Ausbildungsgänge zu beklagen, die in Serie 90-Minüter mit höchstens vier Figuren und einem höchst überschaubaren Themen- und Problem­spektrum für die Studiobühnen landauf, landab produzierten.

Nis-Momme Stockmann gehörte auch dazu, als einer der Erfolgreichsten, mit seinen frühen Stücken «Der Mann der die Welt aß» und «Das blaue blaue Meer», von denen er heute nichts mehr wissen will. Er hat mittlerweile leidenschaftliche Plädoyers gehalten für eine andere Theaterkunst, die sich sehr hochfahrend versteht als «Affekt, Leben, Brand, Versuch, Zwang, Neurose (und die Begegnung mit ihr), Verzweiflung, Dummheit, Irren, Wider­spruch – Liebe Liebe Liebe – diffus und dumm – überwältigend, herabwerfend, katastrophal! ... Gegen diese dumme Kultur des Verstehens, Verortens, Nutzbarmachens, Wirtschaftlichmachens.»

«Der Freund krank»: die Ich-Triade

Das erste Resultat der entschlossenen Sprengung aller Ketten namens Handlung, Sinn,
Kohärenz, Sortierung war 2011 in Heidelberg ein von Stockmann selbst ...

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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt