Es ist nicht leicht, ein Feind zu sein

Wo steht Ibsens «Volksfeind» heute? Um kommende Aufstände und siegreiche Erben konkurrieren Jorinde Dröse und Thomas Ostermeier in Berlin

Auch nach der Niederlage bleibt Ibsens Volksfeind sich treu. Dabei versuchen alle, die ihm gerade noch eiskalt den Rücken gekehrt und ihn samt seiner Familie verstoßen haben, ihm eine Brücke nach der anderen zurück in die Kurortsgesellschaft zu bauen: sein Bruder, der Stadtrat Peter Stockmann, die einst befreundeten Journalisten vom «Volksblatt», Redakteur Hovstad und Verleger Aslaksen, schließlich sein Schwiegervater Morten Kiil, dem die das Kurwasser verunreinigende Gerberei gehört und der seine künftigen Erben durch den Aufkauf von Badeaktien zu erpressen versucht.

Doch Doktor Thomas Stockmann, Mediziner, Entdecker und Bekämpfer der gesundheitsschädigenden Keime im örtlichen Kurbad, bleibt stur. Er will die Wahrheit kein Stück relativieren, sondern kompromisslos an Ort und Stelle ausharren, die Kinder daheim unterrichten und zu «freien und vornehmeren Männern» ausbilden. «Ich will den Hunden ja nur einbläuen, dass die Liberalen die hinterlistigsten Feinde freier Männer sind», lautet sein finales Credo, das sehr schön zeigt, wie Freidenken umschlägt in Konservatismus – oder eben Volksfeindschaft. Für Ibsen lag darin auch ein Sieg.

Sieg oder Niederlage?

In Berlin, wo sein auch nach ...

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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt