Gut essen und in Frieden schlafen

Wovon träumt das deutsche Theater? Von guten Menschen und glückenden Revolutionen. Friederike Heller und Sebastian Baumgarten liefern mit Brecht und Büchner Berliner Kommentare dazu

Es ist nicht gerade ein schwerer Médoc, den die Requisite des Maxim Gorki Theaters der genussfreudigen Danton-Kommune abgefüllt hat. Umso bombensicherer hat sie die Flaschen mit der himbeersaftdünnen Plörre wieder verkorkt, und Johann Jürgens, einer der revolutionären Mitbewohner, muss etliche jakobinische Verrenkungen auf sich nehmen, um dem französischen Nationalgetränk näher zu kommen. Ohne Erfolg.

Schließlich verliert er die Geduld und brüllt: «Das ist ja Terror hier!» 

Diese kleine Slapstick-Nummer samt kalauernder Pointe spielt in Sebastian Baumgartens Büchner-Inszenierung rund um die Radikalisierung zur «Terreur» des Revolutionsjahres 1794 nur eine unbedeutende Nebenrolle. Trotzdem beschreibt sie treffend den gängigen Umgangston, den das Regietheater der um 1970 Geborenen heute mit Revolution, Utopie und Weltverbesserung pflegt, den Lieblingsdauerthemen des deutschen Theaters: Volle Pulle ins Pathos mag sich verständlicherweise keiner mehr stürzen – jedenfalls nicht in einer Bundesrepublik, in der sich die Jakobinerträume («Was die Leute wollen, ist essen und in Frieden schlafen») doch weitgehend erfüllt haben. Aber warum bringen Regisseure wie Sebastian Baumgarten und ...

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Theater heute Juni 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Eva Behrendt

Vergriffen