Moralische Spitzfindigkeiten

Bühne frei für eine Büchner-Inszenierung von Jürgen Kurse – und für Oliver Reeses Doppeltheaterabend mit Kleists «Zerbrochnem Krug» und Ferdinand von Schirachs «Terror»

Wie steht es zur Zeit mit der Freiheit im Theater? Was überhaupt ist Freiheit im Theater? Und wo ist sie, wenn sie da ist? Bevor wir lange über das Anarchieempfinden manches Protagonisten und die gewissenhafte Plansoll­erfüllung mancher Bühne räsonnieren, schalten wir um zu Jürgen Kruse.

 

In Frankfurt hat sich Kruse mit Georg Büchners Melancholiekomödie «Leonce und Lena» die Zeit vertrieben und bringt damit alle, die das Theater als Interpretationsinstrument, Handlungsvehikel und Sinnraum begreifen, auf die Palme.

Dabei hat er den Prinzen Leonce (Isaak Dentler), seinen Gefährten Valerio (Oliver Kraushaar) und den Papa im Reiche Popo (Alexej Lochmann) auf seine krusehafte, müde kalauernde, aber auf Dauer unwiderstehliche Art doch nur ernstgenommen, den Überdruss, die Verweigerung, die Scherze: Notwehr gegen die Unerträglichkeit des Sinns und der Rechthaberei. Es ist keine große Arbeit, aber es ist ein echter Kruse. Dazu gehören nun mal Zote, Plunder, Klamotte, dazu gehören Kruses Rock-Plattensammlung (Ehrenplatz John Lennon) und diesmal Goethes «Faust» als Zitatenschleuder, dazu gehört, dass man auf der Bühne so lässig, cool und selbstverständlich steht, wie es das im Theater sonst ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Peter Michalzik