Arena der Bösen
Thomas Köck hat einen titelgemäßen Rache-Feldzug zusammengestellt mit einer Handvoll Figuren, Zitaten, Geschichten, Arien – von der Bibel über Shakespeare bis zu Mozart und Händel –, Jan Philipp Gloger ihn im Nürnberger Schauspielhaus als Crossover-Produktion in Szene gesetzt.
Dazu holte er sich vom Opernhaus nebenan etwa die Sopranistin Andromahi Raptis für eine düstere Königin der Nacht, baute Ballett-Kämpfe und Höllen-Zauber ein, schickte zwischen Streicher-Intermezzi und Donnergrollen Michael Kohlhaas in den Ring und machte mit Lulu oder Medea klar, dass auch die Frauen nicht ohne schlimme Hintergedanken und immer für ein Übel gut sind. Das alles wirkte dann aber leider doch eher wie eine kurzweilige Revue der illustrierten Todsünden denn als stimmige Bestandsaufnahme menschlicher Unzulänglichkeit. Von der Achse des Bösen ist es in Nürnberg nur ein Schritt zur Arena der Bösen (Bühne: Marie Roth). Auf Stufen sitzen sie aufgereiht und balgen sich in der Arena durch die Literatur- und Musikgeschichte. Die Sprünge vom frühen Bruderzwist (man sieht keulenschwingend Kain und Abel) zur Königin der Nacht, die aus dem Bühnenhimmel herabdräut und die berühmte Arie schön und sicher gibt, ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Bernd Noack
BERLIN, KUNSTGEWERBEMUSEUM
bis 16.7., Retrotopia. Design for Socialist Spaces
Kooperatives Ausstellungsprojekt über die Rolle und den Einfluss von Design in den Ländern des ehemaligen Ostblocks und Ex-Jugoslawiens von den 1950er bis in die 1980er Jahre
BERLIN, WANNSEE CONTEMPORARY
bis 22.4., Yael Bartana | Rehearsal for Redemption
Das für Wannsee Contemporary...
Die Große Reichshalle ist das größte Gebäude auf Erden», jubiliert die Stadtführerin. In knackiger Uniform strahlt Ahmad Mesgarha auf der Bühne des Staatsschauspiels Dresden – «schöne Stadt, so unzerstört» – eine vollbusige Mischung aus Arroganz und Autorität aus: Höhe 290 Meter, Fassungsvermögen 180.000 Personen, «die Kuppel selbst misst einhundertvierzig Meter im...
Auf der Bühne stehen schwarze Stühle, auf die sich beim Einlass nach und nach Personen in schicker blaugrüner Abendkleidung setzen, elegant ihre Beine übereinanderschlagen, den Blick ins Publikum gerichtet. Doch über ihren Köpfen tragen sie weiße Stoffmasken, über ihren Körpern weiße Anzüge wie eine zweite Haut: Es ist eine anonyme, gespenstische Versammlung, die...
