Amnesie im All
Der Captain hat sich in einer Bude aus Kissen verschanzt und liest, während die MS Futuro durch die unendlichen Weiten des Weltraums gleitet. Data Luv erklärt die Gemeinschaft der Zukunft, in der alle machen, was sie am besten können:
Eine*r macht Aufstrich für alle. Zwei schrubben das Deck. Und der Nächste bereitet einen Tanzworkshop vor. Und wenn der Captain nicht anpacken will, ist das auch okay – schließlich basiert hier ja alles auf Freiwilligkeit und Arbeitsteilung.
Dass diese Gemeinschaft der Zukunft Bo-i-Bänd heißt und immer fünfköpfig daherkommt, ist dem Jahr geschuldet, in dem wir uns befinden: Es ist 1994.
In den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt laden Nele Stuhler und Jan Koslowski zu «1994 – Futuro al dente». Stuhler, die Angewandte Theaterwissenschaft und Szenisches Schreiben studierte, und Koslowski, der ein Regiestudium absolvierte, haben sich an der Berliner Volksbühne kennengelernt. Die geteilte Vergangenheit sieht man ihren Stücken an, sie sind zitat- und anspielungsreich, witzig und schnell. Theater ist bei ihnen immer eine ausgesprochene Einladung zum Spiel: Zum Wortspiel, zum Spielen mit Rezeptionsebenen, aber auch zum ganz physischen Spiel, zur ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 34
von Esther Boldt
Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...
Psychiater Dr. Firs bringt nichts so schnell aus der Ruhe. In der Verkörperung des Schauspielers Gottfried Breitfuß strahlt er eine gewisse Gemütlichkeit aus; man stellt ihn sich nach Dienstschluss am Kaminfeuer vor, ein Glas Rotwein in Reichweite und einen Band Tschechow auf den Knien. Seine Privatklinik ist in einer Fin-de-siècle-Villa untergebracht, elegante...
Schwarz und kalt liegt das Wasser in mehreren Metern Tiefe unter uns. Furchtlos klettern die drei Akteure eine Metallleiter hinunter, begeben sich in ein kleines Schlauchboot und rudern von dannen. Das Ende von «Tristesse Royale», einer Produktion des Saarbrücker Korso-op.Kollektivs, führt das Publikum aus der Spielstätte hinaus an den Osthafen der Saar. Es ist...
