Im Labyrinth des Übergangs

Thomas Langhoffs langjähriger Wegbegleiter zum Tod des Regisseurs und ehemaligen Intendanten des Deutschen Theaters

Am Tag nach seinem Tod, als sei das Leben ein Staffellauf, präsentierten die Spitzen der Politik den künftigen Bundespräsidenten. Umringt von westdeutschen Heuch­lern vor den Kameras: eine Pfarrerstochter und ein Prediger aus der untergegangenen Republik. Deren Stimmen hatten einen so auffallend anderen Klang, als sei von den Träumen vom besseren Vaterland gegen den Augenschein etwas übriggeblieben, was kein Regime und kein Opportunis­mus schänden konnten. Er hätte es vielleicht gern erlebt.

Zum ersten Mal traf ich Thomas Langhoff am 19.

Dezember ’79 auf den Stufen zum Gorki-Theater: schwarzer Cordanzug, Vollbart, Pfeife, zwischen Schultern und Nacken die geballte Kraft seiner Energie. Ich war aus Frankfurt gekommen, um mit ihm über ein Remake der «Drei Schwestern» zu verhan­deln, die er am Anfang des Jahres auf die Bretter des Gorki Theaters gezaubert hatte. Er war beim Fernsehen der DDR in der Pflicht, einen Film zu drehen, und hatte keine Zeit, eine neue Arbeit vorzubereiten. In Frankfurt lief die letzte Spielzeit der Ära Palitzsch. Das Haus musste sich mit einem Remake begnügen, wenn es von Langhoff noch eine Inszenierung bekommen wollte.

Ich hatte eine Mappe mit Fotos ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Akteure, Seite 44
von Michael Eberth