Abseits des Weltinteresses

Bulgariens Machthaber haben den Wandel von 1989 überdauert und sparen heute an Kultur und Bildung. Ein Besuch in der Hauptstadt Sofia

Sofia liegt nicht am Weg. Wer sich dessen wirklich bewusst werden will, steigt in Wien in den Zug. In etwas über 30 Stunden ist man am äußeren europäischen Rand. Zwischen Budapest und Bukarest hat man eine Nacht im ungarischen Speisewagen verbracht, wo zu magenzersetzendem Filterkaffee gegen alle EU-Gesetze geraucht wurde, dass die schmutzigen Scheiben beschlugen; im Bahnhof der rumänischen Kapitale sah man ein Heer von endlos Wartenden, die alle Anschlüsse verpasst hatten, und bestieg einen ausgemusterten Waggon, der dennoch ein Ziel versprach.

Über die meeresbreite Donau ging es dann immer tiefer in ein Land, über das man zuhause so wenig vom Hören und vom Sagen kennt.

Und es war ein Fehler, auf der tages- und nachtlangen Fahrt zu Büchern zu greifen, die einem diesen hermetischen Staat und seine Menschen dennoch erklären wollen. Bei Sibylle Lewitscharoff las man: «Wir haben Bulgarien schon satt, bevor wir es richtig kennengelernt haben (…) beklemmende Geschichte, radikale Schrumpfung ins Enge, Paranoide, Kassenwarthafte (…) Fuchsmief, gemixt mit dem Stank von WC-Steinen und billigen Rasierwassern.» Bei Ilja Trojanow hieß es: «Sie ertragen alles (…) sie lächeln nicht, ihr seltenes ...

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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Ausland, Seite 23
von Bernd Noack

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