Abgrund Mensch

Claudia Bauer arbeitet sich in «König Ubu/Ubus Prozess» am Schauspiel Leipzig und in Graz mit Werner Schwabs «Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm» an kindlichen Fäkalkaisern ab

So sieht also ein internationaler Strafgerichtshof aus. Der Angeklagte sitzt ein. Und zwar in einer Art Kiste auf vier dünnen Beinchen in der Bühnenmitte, wo er sich und seinen behaarten Bauch mit traurigen Kulleraugen vor einer Kamera räkelt. Um die Kiste herum in respektvollem Abstand nichts weiter als barock kurvende Tapetenwände, auf die die Kameraprojektion fällt (Bühne Andreas Auerbach).

Dazu verliest eine Off-Stimme zu Säuselmusik die lange Liste der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, derer sich ein gewisser «Vater Ubu alias Pa Ubu alias König Ubu alias Pere Ubu alias Ubu Rex» schuldig gemacht hat. 

Claudia Bauer erzählt Alfred Jarrys prä-surreales Drama des Warlords Ubu, der sich durch einen Staatsstreich an die Stelle des Königs putscht, von ihrem Ende her. Und dieses Ende bzw. ein Teil davon stammt aus dem Laptop von Simon Stephens, der 2012 ein ziemlich nihilistisches Stück mit dem Titel «Ubus Prozess» herausbrachte, in dem weit mehr noch als Ubu den Menschenrechten und den sie vertretenden internationalen Gerichtshöfen der Prozess gemacht wird. Diese Kombination leuchtet ein, denn obschon Jarrys gut 120-jähriges Stück aus heutiger Perspektive so platt wie hellsichtig ...

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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Eva Behrendt