Osnabrück: Rutschpartie

Azar Mortazavi «Sammy und die Nacht» (U)

Eine deutsche Kleinstadt Anfang der 80er: Maria und Omid haben sich mal geliebt, haben zusammengelebt. Nun leben sie nur noch aneinander vorbei. Maria schuftet in einem Krankenhaus und lässt ihren Mann spüren, dass sie die Kohle ranschafft. Omid lässt sein Studium schleifen und seinen Nebenjob als Hausmeister sowieso.

Er ist vor der islamischen Revolution und dem Krieg zwischen Iran und Irak nach Deutschland geflüchtet, aber der Krieg ist ihm gefolgt: Er schläft nachts nicht, er geht tagsüber nicht vor die Tür. Und wenn doch, dann ist er mit Alltagsrassismus konfrontiert.

Er meidet die Nachrichten im Radio, er fürchtet sich vor dem Klingeln des Telefons. Weil seine Mutter dran sein und ihm Fürchterliches aus der Heimat berichten könnte. Dass er sein Land im Stich gelassen hat, macht Omid ein schlechtes Gewissen, und so kümmert er sich um andere Flüchtlinge, allen voran um den kriegstraumatisierten Sammy. Mit ihm und den anderen hockt er stundenlang zusammen und qualmt die eheliche Wohnung zu.

Maria ist das unangenehm vor den Nachbarn, wie ihr überhaupt alles unangenehm zu sein scheint. Sie schämt sich für ihren Migrantenmann: für das fremd klingende Stimmengewirr im Treppenhaus; ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Tobias Becker