Identitäts- und andere Konstruktionen

Thiemo Strutzenberger «Hunde Gottes», Anja Hilling «Sinfonie des sonnigen Tages»

Das Melodram ist so etwas wie das verstoßene Kind der Filmgeschichte. Einstmals ganz nah am Herzen, ist es irgendwann in Ungnade gefallen. Heute schämt man sich fast ein bisschen, wenn man an all die Tränen denkt, die man wegen der alten Familiengeschichten vergossen hat.

Wenn in Thiemo Strutzenbergers Stück «Hunde Gottes» das Genre des Melodrams wieder aufgewärmt wird, dann ist das weniger eine Reha­bilitation als das Spiel mit einer Form, die uns zwar fremd geworden ist – aber trotzdem keine Erklärung braucht.

Eine ehemalige Schauspie­lerin gesteht ihrem Sohn, dass sein Vater nicht sein wirklicher Vater ist. Der Gärtner ist es. Der Vater wiederum beichtet, dass er bis heute von den Zerrbildern des Krieges heimgesucht wird.

Die Geständnisse, die normalerweise das Ende eines Melodrams markieren, stehen am Anfang von Strutzenbergers gefinkeltem Stück. Gerade einmal zehn Minuten sind auf der Bühne des Wiener Schauspielhaus gespielt, und schon haben Betty und Dante Alighieri ihr Herz erleichtert. Die beiden leben zwar irgendwann in den 1950er Jahren an der amerikanischen Ostküste, ihre Namen verweisen aber in eine ganz andere Epoche: jene der italienischen Frührenaissance. So simpel ...

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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: Wien Schauspielhaus, Seite 60
von Stephan Hilpold