Salonbesudelung / Gestrandet

nach Remarque «Im Westen nichts Neues», nach Judith Schalansky «Atlas der abgelegenen Inseln» (U)

Fünf junge Männer, aus ihrer Jugend gerissen, an die Front. Lars-Ole Walburg verzichtet in seiner Inszenierung von «Im Westen nichts Neues» auf die naheliegende Versuchung, Remarques Schlachtenlärm mit allen technischen Mitteln des Großen Hauses wirkungsvoll in Szene zu setzen, sondern verwandelt den Roman in ein ganz auf Empathie setzendes Kammerspiel.

Ein surrealer, klassizistischer Salon, ganz in Weiß, ist auf die Bühne gebaut (Bühne: Robert Schweer), ganz hinten eine kleine Tribüne, überschrieben mit einer alten Soldatenweisheit.

«Per aspera ad astra» – durch Mühsal zu den Sternen. An den Wänden leere Bilderrahmen, die auch leer bleiben – die Vergangenheit wird an diesem Zwischen-Ort nicht in vergilbten Schwarz-Weiß-Fotos lebendig. In der Mitte steht ein weißer Flügel, an dem eine engelhafte Frau im weißen Kleid klassische Melodien spielt, während die fünf Jungs sich in diesem schönen Zivilisationsraum zu Tode prügeln.

In gepflegten Uniformen landen sie hier, mit dem Enthusiasmus und der Leidenschaft von Abenteuer suchenden jungen Männern. Jeder spielt einen von ihnen, Remarques Text wird verdichtet auf ein Kammerspiel. Wer stirbt, bleibt im Spiel, zieht sich bis auf die ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Hannover, Seite 56
von Alexander Kohlmann, Tobias Becker