Doppelklassiker

Friedrich Dieckmann und Rüdiger Safranski blättern die Jahre von Goethe & Schiller auf

Die Glockenschläge des Jubiläumskalenders stellen auch belastbare Klassikerfreunde vor große Anforderungen. Nur vier Jahre nach Schillers 200. Todestag war in diesem No­vember sein 250. Geburtstag zu bedenken, woran die aktuelle Buchproduktion nicht vorbeigehen konnte.

Rüdiger Safranski, dessen gerade fünf Jahre alte Schillerbiographie noch in frischer Erinnerung ist, hat mit «Goethe & Schiller, Geschichte einer Freundschaft» seinen bereits ausgeschrittenen Horizont zum Klassikerdoppel erweitert, und Friedrich Dieckmann, der anno 2005 noch über den «Jungen Mann Schiller» schrieb, wendet sich nun «Schillers Jahrhundertwende» zu.

Da sich so etwas wie Freundschaft zwischen Schiller und Goethe erst im Sommer 1794 anbahnte und in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts besonders stürmisch vertiefte, gibt es zwi-schen den beiden Neuerscheinungen heftigste inhaltliche Überschneidungen.

Friedrich Dieckmann nähert sich seinem Autorenhelden mit klarer Übersicht und schriftstellerischem Spagat. Zwei historisch und quellenkundlich breit ausgeführte «Hauptstücke» unter­scheiden mit Weltbedeutungsgeste zwischen dem «Abschied vom Drama» und der «Wiederkehr des Dramas»; gemeint ist die Zeit vor und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Neue Stücke

«Der Mann, der die Welt aß», hat keinen Namen. Und keinen Job mehr. Mit seinem Stück über die Kapitulation eines Totalverweigerers war Nis-Momme Stockmann der Sieger des diesjährigen Heidelberger Stückemarkts, und in Heidelberg besorgt Dominique Schnizer die Uraufführung des Werks. Herr Ellenbeck heißt der Verkäufer in der Herrenabteilung eines Kaufhauses, der eben...

China - Land ohne Vergangenheit

Am ersten Morgen in Peking steht auf Seite eins der englischsprachigen Zeitung «China Today», dass die Volksrepublik in fünf Jahren die USA auf Platz eins der Wirtschaftsmächte ablösen wird. Möglicherweise, erwägt der Kommentator lässig, auch schon zwei oder drei Jahre früher. Selbstbewusste Einschätzung, sportliche Ansagen: So habe ich mir das neue China...

Utopie und Desinteresse

Irgendwann wird die Wissenschaftlerin, die gerade von ihrer Arbeit in einem Moskauer Krebsforschungsinstitut kommt, von einem hysterischen Lachkrampf geschüttelt. Sie lege jetzt ein peinliches Geständnis ab, diktiert sie der belgischen Multimedia-Performancegruppe Berlin ins Mikrofon: Die Mittfünfzigerin geht jeden Abend nach Dienstschluss stundenlang putzen. Eine...