Liebe? Lieber nicht

Sabine Harbeke «Nur noch heute»

Ohne Liebe geht es nicht. Nicht mal auf das Wort kann man verzichten. Aber, was nur meint man denn damit? «What we talk about when we talk about love» ist Raymond Carvers berühmteste Kurzgeschichte. Zwei Paare erzählen sich darin, mit alkoho­li­sierten Köpfen, Geschichten über die Liebe. Es sind vor allem Geschich­ten über Ex-Männer, Ex-Frauen. Eine Frau erzählt, wie sie ihren Ex-Mann betreu­te, nachdem er sich wegen ihr auf stüm­perische Weise umzubringen versucht hat, bis er dann schließlich doch starb.

Sie liebe ihn heute noch, beteuert sie, ohne das in Anwesenheit ihres jetzigen Mannes im Geringsten abzuschwächen. «Auf so eine Liebe kann man doch verzichten», meinen die anderen. Doch die Verluste sind es, die die Liebe spürbar machen. Die Liebe lebt von den Verletzungen, die sie zerstören.
Robert Altmann hat mit «Short Cuts» vorgemacht, wie man aus vielen kurzen, kleinen Carver-Geschichten von gewöhnlichen Leuten einen großen Film machen kann. Diese Idee hat die Schweizer Theaterautorin und Filmemacherin Sabine Harbeke vor zwei Jahren aufgegriffen und für das Thea­ter nutzbar gemacht. Sie erfindet andere Geschichten, nutzt aber dasselbe Verfahren: Aus vier Carver-Miniaturen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2006
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Gerhard Preußer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tragt endlich wieder Kittel!

Die große Peer-Gynt-Sause kurz vor den Sommerferien bot eine gute Ge­legenheit, mal wieder über den gigantischen Schrebergarten namens Berliner Freie Szene nachzudenken. Ist er in seiner enormen Größe (250 bis 300 kontinuierlich produzierende Gruppen) und Vielfalt (von der robusten Nutzpflanze über die neugezüchtete Rose bis hin zum düngenden Mist) nicht längst...

Karacho bis zum Pausenstopp

Viel Lärm um Nichts» ist eine Komö­die, deren Titel ein Regisseur durch­aus ernst nehmen darf. Auch wenn hier Soldaten aus dem Krieg heimkehren, es Schurken und moralische Ansinnen gibt, auch wenn hier Stolz zu Demütigungen und Dummheit zum Erfolg führt, bleibt Shake­speares flottes Bühnenstück doch zu allererst ein Schlachtplan für Vergnüglichkeiten. Also macht...

Nach dem Krieg

Zwei Stücke zeitgleich am Londoner Royal Court fragen, welche psychologische (Spreng)-Kraft der Irakkrieg entwickelt in den Staaten, die ihre Kinder zum Kampf in die Wüste schicken. Wen sendet man aus, wen bekommt man zurück? Welche Verkantungen und Dunkelzonen saßen schon in den Soldatenköpfen, welche legt der Krieg frei?
Am Royal Court Downstairs schaut Simon...