Neue Stücke

Die interessantesten Uraufführungen im Oktober 2010, ausgewählt von der «Theater heute»-Redaktion.

Ladies first! In London war Lucy Prebble, 29, im letzten Jahr ein Shootingstar: Ihr Stück «Enron», das im Untergang des texanischen Energie-Konzerns 2001 jene Zockermentalität und Gier skizziert, die auch zur letzten Finanz­krise führte, schaffte den Sprung vom Royal Court ins kommerzielle Westend, wo es bis heute läuft. Die deutsch­sprachige Erstaufführung hat sich Nürnberg gesichert, es inszeniert Klaus Kusenberg.

Ebenfalls in Nürnberg hat sich «Kick»-Co-Autorin Gesine Schmidt den Russlanddeutschen zwischen allen Stühlen zugewandt und Gesprächs­material zu «Die Russen kommen» collagiert.

Rebekka Kricheldorf beliefert nicht nur das Theaterhaus Jena mit der ersten Folge ihrer Comic-Gesellschaftssaga «Gotham City» (Regie Markus Heinzelmann), sie versorgt auch Kassel und Schirin Khodadadian mit «Robert Redfords Hände selig», eine Kolonialistenfarce in Namibia. In unseren Breiten liegt Anne Habermehls «Narbengelände» voller Menschen, denen der Aufbruch nicht gelingen will, von der Autorin selbst in Gera inszeniert. In Berlin hat sich Falk Richter an der Schaubühne zum dritten Mal mit der Choreografin Anouk van Dijk zusammengetan, um sein Krisenszenario «Protect me» in Bewegung zu ...

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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Service, Seite 55
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Weitere Beiträge
Das Leben geht bis zum Tod

Es war 1998 in einer lauen Mainacht. Die Kastanienallee, damals noch hippe Ausgehmeile am Prenzlauer Berg, hatte sich zwischen drei und vier Uhr morgens geleert und lag still in der Morgendämmerung. Nur in der Volksbühnennebenspielstätte Prater kämpfte Christoph Schlingensief gegen den Schlaf seiner Gäste im «Hotel Prora», einer Wahlkampf­station seiner sehr realen...

Träume und Unterbrechungen

Das Leben ein Traum – was sonst?» Mit dieser Neubetitelung hat der Regisseur Jürgen Kruse eine Klammer geschaffen zwischen Calderóns barocker Tragikomödie «Das Leben, ein Traum» und dem Kleistschen «Prinzen von Homburg» in der Regie von Peter Stein, dessen Assistent Kruse einst war. «Ein Traum – was sonst?» heißt die scheinbar versöhnliche und zugleich tief...

Goethic Rocker

Liebe zu dritt ist ein erstrebenswerter Zustand, wenn es nach der Berliner Combo «Stereo Total» geht. In Frankfurt führt ihr beschwingtes Loblied «L’amour à trois», das die Zuschauer schon beim Eintritt in die Kammerspiele beschallt, aber in die Irre. Der Protagonist des Solo­abends frei nach «Werthers Leiden» ist nämlich alles andere als ein fröhlicher Verfechter...