Lied der Heimat

Ewald Palmetshofers neues Stück «tier. man wird doch bitte unterschicht» findet neue Töne für ein altes Thema: die Uraufführung in Dresden.

Der Titel ist schnell geklärt, zumindest sein zweiter Teil. Der erste dauert etwas länger. «man wird doch bitte unterschicht» ist ein Zitat aus dem Stück, gesprochen von einem sogenannten Experten für die sozialen Verhältnisse im sogenannten Prekariat, der sich schon vor der letzten Silbe «... schicht» politisch korrekt auf die Zunge beißt.

Das anschließende «… wohl noch sagen dürfen» hat er sich ebenso verbissen, was man heute umso weniger versteht, als ausgewiesenes SPD-Führungspersonal, von Berliner und Brandenburger Partei-Fürsten in die Bundesbank gelobt, bekanntlich noch ganz andere Dinge zu diesem Thema sagt. So betrachtet ist Ewald Palmetshofers neues Stück «tier. man wird doch bitte unterschicht» durch Thilo Sarrazin und seinen Bestseller zur Vererbung von Sozialmerkmalen tatsächlich überholt. Die Annahme, dass Unterschicht in den Genen stecke, kommt hier nicht einmal vor.


Stattdessen geht es um Erika, die einzige Figur mit Namen. Die Putzhilfe und Aushilfskellnerin hat das Tier in sich gründlich abgeschafft, seit sie als Schülerin im Schulkeller vom Schuldirektorssohn unter tätiger Mithilfe einiger Klassenkameraden brutal vergewaltigt wurde. Was auch Jahre später jeder im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Stück des Monats, Seite 42
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Theater in TV und Hörfunk

Fernsehen

 

Freitag, 1.

13.00, Theaterkanal: Kazuo Ohno – Ich tanze ins Licht – ein Film (2004) von Peter Sempel 
 

15.00, 3sat: Der Zimmerspringbrunnen – Spielfilm (2001) nach dem Roman von Jens Sparschuh, mit Götz Schubert, Gustav Peter Wöhler, Hermann Lause u.a., Regie Peter Timm


16.20, Theaterkanal: Die Möwe ­– von Tschechow, mit Lola Müthel, Hermann Lause,...

Barfuss im Anzug

Ein Prometheus heute, ganz und gar Gegenwart und Zeitgenosse? Gut zweitausendfünfhundert Jahre nach Aischylos «Prometheus gefesselt» in drei Versionen in drei Städten zu produzieren, in Athen sowie den diesjährigen Kulturhauptstädten Istanbul und Essen, scheint – Prometheus Sequel I – III – nicht ohne Reiz. Doch dass man die Erwartungen auf die Produktionen der...

Premieren im Oktober

Aachen, Theater
Kasse: 0241/47 84 244
3. nach Grimm, Fundevogel
R. Wiebke Alphei (Puppentheater)

 

Aalen, Theater der Stadt

Kasse: 07361/522 600

9. Boyle, Das wilde Kind (U)

R. Katharina Kreuzhage

16. Goldoni, Der Diener zweier Herren

R. Jürgen Bosse

 

 

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater

Tel.: 03733/13 01 216

1. Bernier/Osterrieth nach Gestac, 

Männer und...