Der Geist von Avignon

Die 64. Ausgabe des südfranzösischen Sommerfestivals hatte Christoph Marthaler zum Artiste associé bestellt; im Papstpalast zeigte er «Papperlapapp» und belebte eine alte Debatte neu: Wie viel Text braucht das Theater?

Untröstlichkeit. Das wird es am Ende gewesen sein. Wenn das verlorene Häuflein Marthalerseelen den Papstpalast von Avignon wieder verlässt, wie es ihn betreten hat: verschupft, sagt man in der Schweiz schön treffend, von allen guten Geistern verlassen, ein wenig armselig, verloren in Raum und Zeit. Da ziehen sie sich zurück in den klapprigen Lieferwagen, mit dem sie hergekarrt wurden, unter der unkundigen Führung von Graham F. Valentine und ein Haydn-Quartett auf den summenden Lippen, nebenbei genau dasselbe wie 1999, als sie als «Spezialisten» in Hamburg zum Überlebenstanztee baten.

Erobern sieht anders aus.

Christoph Marthaler war «Artiste associé» des Festivals von Avignon, künstlerischer Berater mit Verantwortung für einen Teil der Programmauswahl und, in erster Linie, die Eröffnungspremiere im Papstpalast. Es ist nicht immer ratsam, eine Premiere zu besuchen. Ich habe «Papperlapapp» zwei Mal gesehen, zehn Tage lagen dazwischen, und es waren zwei deutlich verschiedene Abende. Wo bei der Premiere Zuschauer lärmend die Tribünen verließen, gab es nun Szenenapplaus. Was zunächst für peinliche Reaktionen sorgte, etwa der Slapstick mit sich hebendem und senkendem Sarkophag, wieder ...

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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 28
von Andreas Klaeui

Vergriffen
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