Ganz bei und völlig außer sich
Auch hier regiert ein Gott des Gemetzels. Diese Menschen sind von allen guten Geistern verlassen. Was für gewöhnlich hinter gesellschaftlichen Verabredungen und guten Sitten verborgen liegt, tritt krass zu Tage. Karin Beier spannt «Das Goldene Vlies» in den Rahmen einer Alltagsgeschichte – einer ungeheuren: Kolchis und Korinth als Metapher, Schauplätze für Menschen, die einander fremd geworden sind.
Die kühne und karge Aneignung des Grillparzer-Dramas enthält sich jeglicher Zutat, ist von äußerem Aufwand und Ablenkung (auch von Beiers sonst gern aufschäumender Fantasie) gesäubert, drängt sich nie auf, konzentriert sich auf die nur vier Schauspieler: Maria Schrader, Patrycia Ziolkowska, Carlo Ljubek, Manfred Zapatka. Die Inszenierung arbeitet prägnant mit Verweisen und Leitmotiven, Chiffren und Zeichen, die das Mythenmaterial zusammenfügen, filtern und verdichten: Play Bergman! In ihrer Hochgespanntheit, souveränen Intelligenz, ästhetischen Stringenz und psychologischen Reife scheinen diese Szenen einer Ehe überhaupt Beiers bislang beste Arbeit, nicht nur am Schauspiel Köln. Das Sinnlich-Furiose ihres Theaters aber bleibt bewahrt in der radikal physischen Nähe, der Jens Kilians ...
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Nacht vom 16. auf den 17.2. 2001 und Morgen 6 Uhr 35
Grausam. Gegen 23 Uhr wankte ich zum 1. Mal nach unten, auf der Treppe begegnete ich einer Ärztin, die mich ziemlich verstört den Hosenstall zumachen sah, ich wollte mich einfach richtig anziehen, danach Streit mit demWachmann, der mich nicht in den Fernsehraum lassen wollte, ekelhaft, reine Schurigelei, es sei...
Als im vergangenen November das vormals völlig danieder liegende Kieztheater Ballhaus Naunynstraße neu eröffnet wurde, war den Machern ziemlich bang. Die frisch gebackene Theaterdirektorin Shermin Langhoff wollte sich angesichts eines Etats von 240.000 Euro lieber gar nicht Direktorin nennen. Wir sind ein Theater in der «dritten Reihe», betonte sie. Das Ballhaus...
Nicht auszudenken, wenn sich jede und jeder noch eine Zigarette danach gegönnt hätte. Schnitzlers «Reigen», die Koitus-Parade aus dem Wien Sigmund Freuds, würde ganze zehn Zigaretten länger dauern, was bei pausenlosen 90 Minuten einiges ausmacht. Regisseur Michael Thalheimer, der Stücke gerne konzentriert, hat die zehn Abschiedszigaretten geschickt als Vorspiel...
