So sind sie, die Russen
Auf die (nicht nur) russische Frage «Was tun?» gab’s zwei berühmte aktivistische Antworten: Tschernyschewski beantwortete 1863 die Frage mit der sozialrevolutionären Parole, Lenin 1902 damit, dass es eine marxistische Kader-Partei brauche, um die Verhältnisse umzuwälzen. Und Stalin warf erst gar nicht mehr die Frage auf, sondern handelte staatsterroristisch.
Am Zürcher Schauspielhaus ist Iwan Gontscharows Roman «Oblomow» von 1859 zu sehen, dessen Tenor heißt: Besser nichts tun, und der Tschernyschewskis Zorn erregte.
Am Theater Freiburg zeigt man die deutsche Erstaufführung von «Warenje», ein russisches Gegenwartsstück, das notorische Nichtstuer und hyperaktivistische «neue Russen» im Schoße einer Familie konfrontiert.
Dessen Autorin, Ljudmilla Ulitzkaja, 1943 geboren, ist Biologin und seit 1983 Schriftstellerin, zu Breschnews Zeiten Samisdat-Autorin, jetzt international erfolgreich mit dem Roman «Die Lügen der Frauen» (2003) und sarkastische Kritikerin der Putin-Herrschaft («Wer weiß besser, wie man mit der Freiheit umgeht, als das KGB?»)
Was tun? Von den sieben Familien-Mitgliedern, die in «Warenje» in einer ererbten, weitläufigen, aber baufälligen Datsche außerhalb Moskaus ...
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