Die Moderne im Rückspiegel
Ein Kraftwerk der Erinnerung: Geschlagene fünf pausenlose Stunden – es können je nach Vorstellung auch sechs oder sieben werden – sitzt Guido Lambrecht hochkonzentriert auf einem Bänkchen im Bühnenbild und spricht in sachlich referierendem Ton. Meist folgt seine Rede Michel Houellebecqs Roman «Serotonin», an einigen Stellen durchschossen mit eigenen biografischen Einsprengseln, aber in der dritten Person. Ein stereotypes «Der Junge …» leitet diese Einschübe ein, kein persönliches «ich» tritt auf und schiebt sich in den Vordergrund.
Gelegentlich steht Lambrecht auf und wendet sich mit dem Oberkörper etwas direkter in Richtung Publikum, ab und an ein Schluck Wasser zwischendurch, mehr passiert nicht. Dafür wurde er zum Schauspieler des Jahres 2026 gewählt.
Die monumentale Gedächtnisleistung verbindet ihn mit Florent-Claude Labroust, dessen geistige Kompassnadel ebenfalls streng Richtung Vergangenheit weist. Der ist – wie eigentlich alle Houellebecq-Romanhelden –, ein etwas antriebsschwacher Ich-Erzähler mit akademischem Hintergrund in einigermaßen gesicherten ökonomischen Verhältnissen, der langsam die Sinnbezüge zu seinem Leben verliert und zunehmend distanziert durch ein paar ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 36
von Franz Wille
Es ist wahr, dass die Gegenwart in die Vergangenheit schaut, dass jene gesellschaftlichen Kräfte enormen Aufwind, wenn nicht sogar eine kulturelle Dominanz zu gewinnen beginnen, die eigentlich alle emanzipatorischen Projekte der vergangenen Jahre und Jahrzehnte für beendet erklären möchten. Kräfte, die zwar vorgeben, Fortschritt zu wollen, zum Wohle aller,...
1 Stück
2 Inszenierung, Performance/Dramaturgie
3 Bühnenbild, Video, Kostüme
4 Schauspielerin
5 Schauspieler
6 Gesamtleistung eines Theaters
7 Beste:r Nachwuchskünstler:in
8 Ärgerlichste Erfahrung des Jahres
Margarete Affenzeller
«Der Standard», Wien
1 Miriam Unterthiner «Blutbrot»
2 Regie: Florentina Holzinger, Florentina Holzinger «A Year without Summer»,...
heute Abend, meine Freunde, gehe ich früh zu Bett, denn die Dunkelheit ist zu dicht, ich versuche, anders als in Träumen üblich, mich nicht von Wellen tragen zu lassen noch nach meinem Schlüssel zu fahnden, ich glaube, ich versuche zu schlafen, wie Kinder es tun
Diese Zeilen der Dichterin und Malerin Etel Adnan entstanden 2003, während die USA den Irak...
