Der Theatermacher
Meine singuläre künstlerische Arbeitserfahrung mit Claus Peymann als Regisseur rührt aus dem Oktober 1988. Im Burgtheater wurde «Heldenplatz» von Thomas Bernhard geprobt. Es gab in Wien kein anderes Thema. Die Premiere sollte eigentlich längst über die Bühne gegangen sein, aber verdiente Ensemblegrößen wie Elisabeth Orth, auch sie ein 2025 gestorbenes Ehrenmitglied des Burgtheaters, legten aus Protest gegen Peymanns «ZEIT»-Interview («Wenn Sie wüssten, was für eine Scheiße ich hier erlebe!») ihre Rollen zurück und die Premiere wurde verschoben.
Dann stieg der Druck infolge öffentlich gewordener Zitate aus dem Stück («Österreich selbst ist nichts … als eine in sich selbst verhasste Statisterie von sechseinhalb Millionen Alleingelassenen, sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige»), zu welchen vom Altkanzler Bruno Kreisky bis zum Bundespräsidenten Kurt Waldheim alle sich zu äußern bemüßigt fühlten. Dass im Stück das Begräbnis eines nach Wien zurückgekehrten Juden begangen wird, der sich am Heldenplatz aus dem Fenster gestürzt hat, und dass seine Frau immer noch das «Sieg heil!»-Geschrei hört, das vor 50 Jahren den Heldenplatz erfüllte, spielte dabei keine Rolle. Österreich fühlte ...
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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Nachrufe, Seite 29
von Roland Koberg
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