Gefangen im Urtrauma
Eine kurze Definition von Trauma könnte lauten: «eine Vergangenheit, die nicht vergeht». Sie vergeht nicht, weil sie in der Geschichte nicht überwunden und abgeschlossen wurde und damit nicht Teil der Vergangenheit geworden ist, sondern immer wieder zu einer neuen Gegenwart werden kann. Wenn es dazu kommt, zeigt das Trauma sein wahres Gesicht und wird zu einer ewigen Gegenwart, aus der es kein Entkommen mehr gibt.
Wie stark diese Logik der individuellen Psyche auch die kollektive Psyche und damit die Politik bestimmen kann, lässt sich derzeit am Israel-Gaza-Krieg ablesen.
Ein Jahr nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden Krieg in Gaza beschrieb Kardinal Pizzaballa in Jerusalem, was sich seitdem in der Region grund -legend verändert hat: «Ein weit verbreiteter Hass geht um, wie wir ihn noch nie gesehen haben – sowohl in der Sprache als auch in der physischen, militärischen Gewalt.» Mit Blick auf den Krieg erläuterte er: «In den Seelen der beiden Gesellschaften (ist) etwas zerbrochen. Die beiden Gesellschaften sind traumatisiert. Die israelische Gesellschaft hat den 7. Oktober als eine kleine Shoah erlebt. Und für die palästinensische Gesellschaft ist ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Umbrüche, Seite 56
von Aleida Assmann
Sibylle Berg gehört zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autor:innen der Gegenwart. Ihre Stücke laufen an zahlreichen Stadttheatern, ihre Romane stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Sie wurde vielfach ausgezeichnet. Neben ihrer literarischen Arbeit engagiert sie sich zunehmend politisch. Sie ist für Die PARTEI tätig und seit 2024 Mitglied des Europäischen...
Lapidarium» heißt die neueste Trilogie von Rainald Goetz. Nach «Krieg» und «Festung» hat der vielfach ausgezeichnete Ausnahmeautor, gefeiert für seine Weltbeobachtungen der Jetztzeit, erneut drei in Form und Inhalt unterschiedliche Werke unter eine Überschrift gestellt. Die Trilogie vereint die Stücke «Das Reich des Todes. Politische Theorie», «Baracke. Die...
Das ist ein guter Anfang. Hier finde ich vielleicht zurück.» Das sind die ersten Worte, die Cennet, die Figur im Mittelpunkt des Stücks, zu uns spricht. Cennet ist eine Frau in ihren späten Fünfzigern. Mutter. Es scheint zunächst, als habe sie sich verlaufen. Im Rahmen einer Arbeitsmaßnahme soll Cennet das Fitnessstudio «Dog Pound» putzen. Dabei wird sie von einer...
