In wendigen Zeiten
Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen», so lautete das anfängliche Motto der Münchner Kammerspiele unter der Intendantin Barbara Mundel (die auch die Geschichte ihres Hauses und die Schick -sale der vielen von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Mitarbeiter nicht ruhen lässt). Inzwischen jedoch überwiegt das Gefühl, dass die Wirklichkeit uns nicht in Ruhe lässt, sondern kaskadenhaft in immer neue Dystopien stürzt.
Da mag Klaus Manns «Mephisto» aus dem Jahr 1936 der Roman einer Karriere sein – der des begabten Provinzschauspielers Hendrik Höfgen, der sich, um weiterspielen zu können, den Nazis auf den Schoß setzt, und natürlich nicht zufällig Ähnlichkeit mit Manns früherem Freund und Schwager und dem späteren Ge -neralintendanten Gustaf Gründgens hat. Er ist aber auch der Roman einer Zeit, die einem gera -de verteufelt nah auf die angespannten Nerven rückt, eine Selbstbefragung im Sinne von Wie hältst du’s mit den Rechten?, wenn sie denn tatsächlich, was ja nicht mehr ausgeschlossen erscheint, erneut in die Schaltkreise der Kunstund Kulturförderung vorrücken sollten.
Jette Steckel hat daraus in München einen dreieinhalb Stunden lang gefährlich rund laufenden ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Silvia Stammen
Am Schluss darf sie endlich reden, allein – ein Moment der Klarheit aus der Distanz oder gar Isolation, denn zumindest auf der Bühne hört ihr da keiner mehr zu. Davor macht Heinrich von Kleists aberwitziges Enthüllungsdrama vom Beginn des 19. Jahrhunderts in anderthalb Stunden voll turbulenter Komik und unterschwelliger Gewalt die Me-Too-Debatte von heute beinahe...
Kleiner Weltuntergang gefällig? Bitte sehr! Gerade nimmt ein netter Mega -sturm Kurs auf Westeuropa, der alles ratzekahl wegfegen wird bis unters Fundament, Mensch und Tier eingeschlossen. Soweit die Annahme in Theresia Walsers «Die Erwartung», die ausgewähltes Mittelstandspersonal beim letzten Packen und Flüchten ausführlich zu Wort kommen lässt.
Von oben nach...
Der Wiener Vogelweidpark gleich hinter der Luger City Einkaufsmall gehört trotz einiger Aufhübschungsbemühungen zu den eher tristen Aufenthaltsorten der Donaumetropole. Wer dort auf der Parkbank abhängt, hat in der Regel zu wenig Geld fürs Kaffeehaus und jede Menge Zeit zum Nachdenken. Zumindest Letztere haben die vier jungen Ex- oder Immernoch-Kleindealer Hassan,...
