Wie geht Stille auf der Bühne?
Am Schluss darf sie endlich reden, allein – ein Moment der Klarheit aus der Distanz oder gar Isolation, denn zumindest auf der Bühne hört ihr da keiner mehr zu. Davor macht Heinrich von Kleists aberwitziges Enthüllungsdrama vom Beginn des 19.
Jahrhunderts in anderthalb Stunden voll turbulenter Komik und unterschwelliger Gewalt die Me-Too-Debatte von heute beinahe zu einem Déjà-vu: Ein Amtsträger, der seine Macht missbraucht, sein Opfer erst durch Versprechungen anlockt, mit Drohungen erpresst und schließlich wohl gewaltsam nötigt … «Der zerbrochne Krug» hat das längst alles in seine hellsichtig schonungslose Logik gepackt.
Anne Stein spielt Eve Rull, die eigentlich Geschädigte in Kleists Lustspiel, mit einer scheuen Kraft und Konzentration von innen heraus und zugleich, als beobachte sie sich selbst von außen. Während Pascal Fligg als Dorfrichter Adam sich, anfangs tollpatschig und dann zunehmend gefährlich, in den Netzen seiner ehrgeizigen Jäger verheddert, bleibt sie wie unbeteiligt bei sich, steht abseits oder legt sich schon mal unter den Verhandlungstisch. Und doch spürt man jeden Augenblick ihre Verletzung und den Druck, der sie zum Schweigen bringt.
Regisseur Mathias Spaan ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Akteure, Seite 28
von Silvia Stammen
Simone und Erik sind ein modernes Paar. Die Protagonisten aus Marius von Mayenburgs Komödie «Egal» haben zwei Kinder und gute Jobs – und trotzdem kriegen sie das alles irgendwie hin. «Wir sind halt die Avantgarde!», sagt Erik. Doch das ist bei genauerer Betrachtung einigermaßen übertrieben. Die Wahrheit ist, dass Kinder und Karriere auch in dieser Beziehung nur...
Da stehen diese sieben Vibrationsplatten. Schwarze, knöchelhohe Geräte, deren Oberfläche per Knopfdruck auf der Fernbedienung anfängt zu wackeln. Zu Beginn gibt es Wackelpudding bei Familie Wingfield – und das rote Glibberzeug steht also auf dieser Platte und zuckt ekstatisch hin und her. Ein netter Gag, könnte man denken. Aber was sich Regisseurin Jaz...
Ein irrationaler Amoklauf aus der Mitte der Gesellschaft heraus: «Graf Öderland», das Frisch als sein Lieblingsstück bezeichnet hat, vielleicht weil er darin dramaturgisch so frei von Zwängen ist wie in kaum einem anderen, ist zugleich sein unzugänglichster Bühnentext. Ein Staatsanwalt kann keinen Sinn mehr erkennen in dem, was er tut. Er bricht aus, lehnt sich...
