Entsolidarisierungsqualen
Im Englischen beschreibt das schöne Wort «overstuffed» bemerkenswert unterschiedliche Zustände. Es kann sich ganz materiell etwa auf ein Regal beziehen, dessen Bretter unter der Last zu vieler Dinge durchhängen. Positiv gewendet mag aber auch ein besonders komfortabel gepolsterter Sessel so beschrieben werden, und auch ein Buch ist «overstuffed», wenn es zu viele Themen, Einfälle und Materialien auf zu engem Raum versammelt.
Die Wiederbegegnung mit Eugene O’Neills gerade auffallend viel gespieltem Klassiker «Eines langen Tages Reise in die Nacht» ruft beim Lesen ein Gefühl ebensolcher Überfülle hervor. Üppigst ausstaffiert ist das alles: die lang gewundenen Dialoge, die zahllosen Regieanweisungen, überall hineingewoben in die wörtliche Rede, die teils seitenlangen Szenenbeschreibungen, in denen selbst die Buchtitel aufgelistet werden, die im Wohnzimmer der erbarmungswürdigen Familie Tyrone die Regale füllen sollen. Kein Wunder, dass Regisseur:innen gerade viel Freude daran haben, den ganzen Kladderadatsch dieses sehr romanhaften Stücktexts erstmal abzuräumen. Bis hin zu Rieke Süßkows Radikaldiät jüngst in Nürnberg, bei der tatsächlich kein einziges Wort mehr gesprochen wurde (s. ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Janis El-Bira
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
11. Kara, Kindermann und Sipal, Istanbul – ein Sezen Aksu Liederabend
R. Christoph Biermeier
AACHEN, THEATER
17. Güçyeter, Unser Deutschlandmärchen
R. Antigone Akgün
18. Fischer und Ensemble, Oppenhoff (U)
R. Florian Fischer
ALTENBURG/GERA, THEATER
17. Goetz, Hokuspokus
R. Manuel Kressin
ANNABERG-BUCHHOLZ, ERZGEBIRGISCHE THEATER
18. Moffat,...
Alles ganz normal. Sie brauche keine Sorge haben, beruhigt der Psychiater Doktor Prentice (Jörg Zirnstein) eine junge Bewerberin (Aleksandra Kienitz) für seine Sekretariatsstelle. Dass sie sich ausziehen müsse, diene allein der Prüfung ihrer Qualitäten, pardon, Qualifikationen. Und auch der Ausdruck Befummeln wäre für die Hand auf dem Schenkel eher...
«Grüßen Sie Gisela von mir!», lautet eine der Redewendungen aus dem «Handbüchlein für Türken». Neben «Leerlaufgemischschraube» oder «Wann kann ich das Geld bekommen?». Mit diesem Buch, das erzählt der Jurastudent Elyas (Cino Djavid), haben seine Eltern Deutsch gelernt, haben Floskeln und Fachbegriffe geübt. Damals, als sie nach Deutschland kamen. Nach Köln. Um bei...
