Böse Geister

Neue Stücke in München, Leipzig und Berlin: eine «Emilia Galotti»- Überschreibung von Arna Aley, Raphaela Bardutzkys Schaueroper «Altbau in zentraler Lage» und Maja Zades Eigenauftragswerk «changes»

Theater heute - Logo

In Sachen bühnentauglicher Sarkasmus ist eine Stelle frei geworden, seit Sibylle Berg als Spaßpartei-Abgeordnete ins Europa-Parlament eingezogen ist und sich dort Tag für Tag aufopferungsvoll durch die mühsame Kleinarbeit in Gremien und Ausschüssen wühlt. Ihre – unter anderem – Übersetzerin ins Litauische, die Autorin und Kuratorin Arna Aley, könnte demnächst die Lücke füllen.

Ihre «Emilia Galotti»-Überschreibung am Münchner Volkstheater behält außerdem jederzeit das große Ganze im Blick: Von Lessings Vorlage distanziert sich «Unsterblichkeit oder: Die Letzten Worte Emilia Galottis» schon im Titel, zumal diese letzten Emilia-Worte so ziemlich das Allerletzte sind, was Arna Aley unterschreiben würde.

«Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert», ist poetisch leicht umrankt nichts anderes als Emilias Einverständnis, von ihrem Vater Odoardo erstochen zu werden, damit der Prinz von Guastalla sie auf seinem Lustschlosss nicht «entblättern» kann. Heute nennt man dergleichen Ehrenmord. Daran auch nur herumzudeuteln mit bürgerlicher Moralkritik oder anderen Erklärungstechniken kommt nicht einmal im bayerischen Schulunterricht mehr in Frage, weshalb sich die Autorin ganz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Das Prinzip Erinnerung

Theater heute «dumme Jahre» erscheint als genau das richtige Stück zur richtigen Zeit: Es reagiert auf viele Fragen nach den Landtagswahlen im September in Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Aber tatsächlich verfolgen Sie diesen Stückplan seit zwei Jahren. Was hat Sie denn damals schon auf die Spur gesetzt? 
Thomas Freyer Formaler Auslöser – gar nicht inhaltlich –...

Dachdrama

Ein Hochhausdach, vier Personen, kein Handy, kein Schlüssel, und die Tür zum Treppenhaus fällt ins Schloss. Dumm gelaufen, nicht nur für Ava, 30, die vor zu viel Sozialstress aus ihrer Wohnung aufs Dach geflohen ist. Ebendort und not amused sind jetzt auch die drei Stressursachen: Robin, 32, hatte eben noch wunderbaren bekifften Sex mit Ava und ist mit einem Mann...

Mehr Licht

Der Schauspieler Yorck Dippe beschreibt die «Maschine», die von Henrike Engel auf die große Bühne des Deutschen Schauspielhauses gebaut wurde: «Vier Speicher, eine Kontrolle». Die Speicher, das sind Moritz Grove, Daniel Hoevels, Camill Jammal und Christoph Jöde, die Kontrolle ist Sandra Gerling, und gemeinsam zerlegen sie Johann Wolfgang von Goethes «Wandrers...