Traumaspiel und Machtkampf
Drei Mal steigt der junge Mann die Marmortreppe hinunter, jeder Schritt von Hall begleitet. Drei Mal steht er am Fuß der Treppe im runden Becken eines Brunnens. Drei Mal nähern sich ihm aus der Tiefe des Raumes, der das großbürgerliche Entrée einer Jugendstil-Villa vorstellt, zwei sich vollkommen synchron bewegende Männer. Drei Mal stürzt der junge Mann vor dem Brunnenbecken, doch jedes Mal passiert etwas geringfügig anderes: Die Männer schütten Pulver in sein Gesicht, sie heben ihn auf, bringen ihn weg, leicht zeitversetzt, am Ende nur pantomimisch.
Wie ein seltsames Ritual beginnt die Uraufführung von Sam Max’ Sex- und Traumathriller «Double Serpent». Das Staatstheater Wiesbaden, seit Spielzeitbeginn unter der neuen Leitung von Dorothea Hartmann (Oper) und Beate Heine (Schauspiel), hat dem/der 1995 geborenen US-Amerikaner:in den Stückauftrag erteilt. Seit einer Einladung zum Berliner Stückemarkt 2020 verfolgt Max sowohl eine amerikanische als auch deutsche Karriere; Wilke Weermann, der «Double Serpent» ins Deutsche übersetzt hat, führte auch schon bei der deutschen Erstaufführung von «Coop» («Zaun») in Bamberg Regie. Auf Sam Max’ Website ist zu lesen, dass deren Werk «sexuality, ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Ein Alptraum in stechendem Mittelhellblau. Wer das Gutshaus im «Apfelgarten», einer launigen «Kirschgarten»-Überschreibung erstaunlich unfrei nach Tschechow von Dörte Hansen und (Regisseur) Antú Romero Nunes betritt, sollte seine Farbempfindlichkeit stark herunterschrauben. Das grelle Setting mit meterhohen Wänden in steriler Wandfarbe (Matthias Koch) signalisiert...
Hallo», heißt es oft zu Beginn der Aufführungen des Regisseurs Christopher Rüping von der Bühne ins Publikum, und ein Gespräch wie auf Augenhöhe scheint im Hier und Jetzt anzuheben, welches das Publikum erst nach und nach als kunstvoll um es herum gewobenen, geschickt an es adressierten und seine Einbeziehung nicht nur suggerierenden, sondern sanft erzwingenden...
216 Millionen Menschen werden durch den Klimawandel laut einer Weltbank-Statistik von 2021 zur Flucht gezwungen werden. Kaum ernsthaft vorstellbar ist es, sie durch Grenzkontrollen, Zäune, Mauern oder Frontex-Boote aufhalten zu können – so die Grundannahme von Volker Löschs und Lothar Kittsteins neuester Bonner Arbeit «216 Millionen», die vor dem politischen Getöse...
