Labyrinthe des Bewusstseins
Als vor drei Jahren nach langer Pause Emine Sevgi Özdamars vierter Roman «Ein von Schatten begrenzter Raum» erschien, erinnerte das 757-Seiten-Werk daran, dass die deutsche Theatergeschichte der 1970er und 80er Jahre sich auch aus türkisch-deutscher Perspektive erzählen lässt.
Die 1946 in der Türkei geborene Schauspielerin war Mitte der 1970er Jahre in der Folge des Militärputschs von Istanbul nach Berlin gegangen, hatte dort an der Volksbühne als Regieassistentin Benno Bessons gearbeitet, war ihm zwei Jahre später nach Paris gefolgt, um Brechts «Kaukasischen Kreidekreis» für das Festival von Avignon zu inszenieren, hatte dort noch eine akademische Arbeit geschrieben und wurde schließlich von 1979 bis 1984 fest ans Schauspielhaus Bochum unter Claus Peymann engagiert – als Schauspielerin und Regieassistentin.
Doch das sind bloß die dürren Fakten einer Theaterkarriere, die auf der Bühne darin bestand, dass die Putzfrauenrollen, die Özdamar spielte, sich vom Eimer zum Staubsauger entwickelten, wie sie einmal Matthias Langhoff gegenüber gescherzt hat. Dass Emine Sevgi Özdamar eine eigenständige Künstlerin ist, scheinen die Regiemänner und Dramaturgen in ihrer Nähe aber doch stets ...
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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Eva Behrendt
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