«Fünf unfassbar lehrreiche Jahre»

In Zürich endet die Intendanz von Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg. Ein Gespräch zum Abschied mit den Ko-Intendanten, der leitenden Dramaturgin Katinka Deecke, Diversitätsagentin Yuvviki Dioh und der Hausregisseurin Suna Gürler – über Geld, Covid, Kunst und Kulturpolitik

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Andreas Klaeui Zum Einstieg bitte ich Sie, alle eine Arbeit aus den letzten fünf Jahren zu benennen, die für Sie wichtig ist, ohne Scheu vor Auslassungen – es darf auch eine eigene sein –, und in einem Satz zu sagen, warum sie für Sie relevant ist. 
Nicolas Stemann Es fällt mir schwer, mich festzulegen. Es gab in diesen fünf Jahren so viele interessante Erlebnisse, mit eigenen Arbeiten und denen von anderen. «Biedermann» war toll oder auch die Märchen – ich habe zum ersten Mal richtige Theaterstücke geschrieben.

Aber wenn ich muss: Für mich ist «Riesenhaft in Mittelerde» eine wichtige Produktion, weil sie noch einmal eine ganz neue Arbeitsweise gefordert hat. Das war gelebte Diversität und Inklusion, hat generationenübergreifend, herkunftsübergreifend, bildungsübergreifend Publikum erreicht. Es war künstlerisch unglaublich fruchtbar und hat enorm viel Spaß gebracht. Es gibt die Produktionen, von denen man weiß, so was erlebt man alle zehn Jahre: Das ist diese Produktion. 
Suna Gürler «Bullestress» war für mich ein Meilenstein. Dank der Heftigkeit und Dringlichkeit des Themas – rassistische Polizeigewalt in der Schweiz – kam der Betrieb nicht umhin zu akzeptieren, dass ...

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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Bilanz, Seite 22
von Andreas Klaeui

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