Das andere Geschichtsdrama
In der Schlange an der Kasse beim Drogeriemarkt in Gelsenkirchen – Türken, Kurden, Syrer, Iraker, Albaner, Ukrainer, Bulgaren, Rumänen, Tunesier. Alle aus ehemaligen Provinzen oder Vasallenstaaten des Osma -nischen Reichs. Mehr als die Hälfte der Be -wohner Gelsenkirchens kommen daher. Dieses Reich ist mitten unter uns, wir wissen es nur nicht. «Wer nicht von hier ist, hat auch nicht verdient, dass sich jemand mit dir und deiner Vergangenheit auseinandersetzt.
» So auf den bösen Punkt gebracht zitiert Akın Emanuel Sipals neues Stück «Akıns Traum vom Osmanischen Reich» die Rechtfertigung der Ignoranz. Dem will Sipal abhelfen: alternativer Geschichtsunterricht, Perspektivwechsel.
Gelsenkirchen ist der Wohnort des Autors, aber seine Herkunft ist gemischt: Schlesien, Türkei, alles dabei. In seinem Stück «Mutter Vater Land», das beim Mülheimer Stückewettbewerb 2022 den Publikumspreis erhielt (abgedruckt in TH 12/20), hat er schon seine Familiengeschichte erzählt. Jetzt weitet sich der Blick auf das ganze östliche Europa, Vorderasien und Nordafrika, und wir zoomen heran an Westanatolien im Jahr 1299. Osmans Traum vom Weltreich. Aber das Stück heißt «Akıns Traum». Die Mischung macht’s. ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer
Und ich fahre im Zug durch die Alpen. Nebel kriecht durch die Wälder am Hang, der Himmel ist diesig, ich sitze im Ruheabteil. «Perfekt, schönes Tagle», wünscht mir der Schaffner und steckt sein Kontrollgerät wie einen harmlosen Colt an den Gurt. Merci vilmal, denk ich, genieße die Aussicht, dann klapp ich den Laptop auf. Ich reserviere stets extra im Ruheabteil, um...
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