Nichts ist ok!
Die Stimmung bei der Premiere in der Volksbühne war prächtig, und niemand hätte auch nur im Entferntesten gedacht, dass es René Polleschs letzte Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Partner in Crime werden würde. Nennen wir ihn «Fabian Hinrichs» wie auf dem Programmzettel, wo die Figur, die keine Figur ist, und der Schauspieler in eins fallen: ein nicht mehr ganz junger, immer noch diffus studentisch daherkommender WG-Bewohner in seinem leicht verwuschelten Alltag. Im echten Leben ein radi -kaler Künstler, zumindest neulich im Gespräch mit der «Zeit» aus Hamburg.
Da wünscht sich der Schauspieler eine «alltagserschütternde Kraft, und sei es auch nur für 10 Minuten». Da zieht es ihn gut Hölderlin-romantisch «ins Offene, in künstlerische Atmosphären, die riskant sind». Um sich herum sehe er oft nur die «moralischen Botschaften hinter einem Bühnenwerk», ein «wackeres Abklatschen von Programmpunkten». Zu oft erlebe er nur eine «Funktionärskultur, gemacht von Funktionären für Funktionäre».
Grund genug, im Verein mit René Pollesch gut eine Woche vor dessen bestürzendem Tod einmal mehr die Welt auf den Kopf zu stellen, zumindest für knapp 80 Minuten in der Berliner Volksbühne. Der Titel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 12
von Franz Wille
Zwischen weltabgewandter Verstiegenheit und künstlerischer Radikalität liegt manchmal nur ein hauchfeiner Grat. Auf dem balanciert, in beide Richtungen durchaus absturzgefährdet, Robert Borgmanns «Athena» im Marstall des Münchner Residenztheaters. Statt wohlmeinender «Eumeniden», wie der letzte Teil der Orestie bei Aischylos überschrieben ist, hat Borgmann den...
BERLIN, GROPIUS BAU ab 27.4., Radical Playgrounds: From Competition to Collaboration.
Elf Wochen wird auf dem Parkplatz am Gropius Bau ein Labyrinth aus großformatigen Kunstwerken und vielfältig begehund erklimmbaren Skulpturen entstehen, mit Performances, Workshops sowie einer Ausstellung. Kuratiert von Joanna Warsza und Benjamin Foerster-Baldenius mit den...
Bunker, unfertiger Rohbau, Grenzstation, Kriegsschiff: Ein genial assoziationsreiches, multifunktionales Bühnenbild hat Katja Haß ins Stuttgarter Schauspielhaus bauen lassen. Es fährt zu Beginn beängstigend direkt aufs Publikum zu. Look aus rohem Beton, abweisend, aber praktisch zu bespielen: oben eine Aussichtsplattform, innen eine steile Treppe, die ins...
