Familie, Gewalt, Zukunft
Wenn die beiden Diener mit den Wischmopps vorbeikommen und Bodenreinigung vortäuschen, wird’s hochgefährlich. Buckingham (stoisch kaugummikauend: Lukas Holzhausen) und Catesby (extralange Leitung: Cino Djavid) scheitern zwar regelmäßig fast an sich selbst, an ihrer schildkrötenhaften Restintel -ligenz und ihrem slapsticktauglichen Ungeschick, aber irgendwann packen, stechen, strangulieren oder hauen sie mit unwiderstehlicher Brutalität einfach zu, bis jemand tot ist. Mord und Totschlag gehören hier zur gewöhnlichen Hausarbeit, Abteilung allgemeiner Service- und Reinigungsdienst.
Michel Decars Überschreibung von Shakespeares «Richard III.» reduziert das Personal auf die Kernfamilie der überlebenden Yorks gegen Ende der 30-jährigen Rosenkriege, eliminiert dabei das gesamte, nicht unaufwendige Staatsbeamtenpersonal mit seinen Finten und Intrigen, und selbst von den beiden Prinzen bleibt nur einer übrig, der außerdem, anders als in der Vorlage, überleben wird. Jedenfalls vorläufig. Dabei übertrifft der royale Familienverband in der Mehrheit die Geisteskraft seiner Dienerschaft nur geringfügig: eine freudlos dysfunktionale, so wohlstandsverblödete wie kriegstraumatisierte Gemeinschaft, ...
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Theater heute November 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Als am 5. Oktober Narges Mohammadi Friedensnobelpreisträgerin wurde, leuchtete die Hoffnung. Der Ruf «Jin Jiyan Azadi – Frau Leben Freiheit» war wieder in den Medien, und Menschen auf der ganzen Welt haben sich an ihn erinnert. Die Jina-Revolution war aber die ganze Zeit über nie verschwunden, nur die Bühne der Revolution und ihre Dramaturgie hatten sich geändert.
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Natürlich wird Raum zum zweiten Hauptdarsteller – für das verstörende Monodram des ukrainischen Schriftstellers Wolodymyr Snihurtschenko ist das Schauspiel in Kassel umgezogen: hinab in den 59 Stufen und fünf Etagen tief unter Straßen-Niveau gelegenen Viktoria-Bunker, der in den Fels unter dem Stadtteil südlich vom Hauptbahnhof gehauen wurde als Teil eines...
Sage niemand, dass Regisseurin Rahel Hofbauer die Zuschauer:innen im Regen stehenlassen würde. Guido Gallmann schlendert auf die Bühne, guckt erstmal, dann spricht er ins Publikum: ein bisschen Figurencharakterisierung, ein bisschen Backstory, ein bisschen Aufführungsgeschichte, ein bisschen Quelleninfo. Auf dass alle verstehen, um was es in «Emilia Galotti» geht....
