Nicht an Wunder glauben

Die ukrainische Autorin Natalka Vorozhbyt und die schwierigen Verhältnisse der Kunst im Krieg

Gleich sieben Mal stirbt die Schauspielerin in diesem Stück. Schon in der ersten Szene wird sie beim Grenzübergang aus der Ukraine von einer Gruppe Flüchtender erschlagen, die ihr ihre Mitwirkung in genau den russischen Fernsehserien verübeln, die sie selber früher begeistert konsumiert haben.

Dass eine Flüchtende aus Butscha mit besonderer Wut auf die Schauspielerin eindrischt, kann man sogar verständlich finden, wenn man sich die grauenvolle Geschichte von Folter und Vergewaltigung durch eine Gruppe russischer Soldaten während der Besetzung Butschas vor Augen hält, die sie erleiden musste. Was nichts daran ändert, dass auch ihr die Serie ursprünglich wohl gefallen hat.

Der gemeinsam begangene Totschlag an der Künstlerin dient der Reinigung, oder soll man sagen: Säuberung, der kollektiven Erinnerung. In der zweiten Szene von Natalka Vorozhbyts im Auftrag der Münchner Kammerspiele entstandenem und bisher in München und Kiew von Jan-Christoph Gockel und Maksym Golenko inszeniertem Stück «Green Corridors» (s. TH 6/23) steht die eben ums Leben gekommene Schauspielerin in einem Film über die letzten Tage der ukrainischen Lyrikerin und Nationalheldin Olena Teliha vor der Kamera. Teliha ...

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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Sebastian Huber

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