Verzeihen statt verzichten

Enrico Lübbe sträubt sich gegen Verzichtwettrennen

Theater heute - Logo

Meine persönliche CO2-Klimabilanz ist eigentlich ziemlich gut: Ich fliege fast nie, fahre seit Jahren bei Wind und Wetter mit dem Rad zum Theater und unternehme alle Dienstreisen mit der Bahn. Unser Vier-Personen-Haushalt hat inzwischen einen Energieverbrauch eines durchschnitt -lichen Ein-Personen-Haushalts, unsere Lebensmittel sind größtenteils «Bio». So weit, so gut; so weit, so privilegiert.

Denn zur Wahrheit gehört, dass es mir meine Arbeits- und Lebenswelt auch einfach macht, mich so zu verhalten und auf Dinge zu verzichten, die für andere unverzichtbar sind.

Meine Arbeitsmaterialien passen in einen Rucksack. Wenn das Fahrrad kaputt ist, gibt es in Leipzig ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Meine Dienstreiseziele sind nicht auf anderen Kontinenten, können problemlos ohne Flüge erreicht werden. Und wenn ich mich ökologisch fair und gesund ernähren möchte und mir dies leisten kann, bietet mir Leipzig zahlreiche Möglichkeiten. Meine persönliche Klimabilanz ist also nicht schlecht. Und doch wird das alles nicht genügen, wird meine persönliche Bilanz allein nicht genügen, braucht es größere klimapolitische Aufschläge. Dafür liegen viele Vorschläge und Ideen aus Wissenschaft und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 59
von Enrico Lübbe

Weitere Beiträge
Den performativen Widerspruch leben

Verzicht als Praxis setzt Besitz als Tatsache voraus. Falls es eine einzige Regel gibt, die grundsätzlich stimmt: Je mehr jemand besitzt, desto größer sein ökologischer Fußabdruck. Besitz an Wohneigentum heißt zum Beispiel, dass man ihn beheizen muss. Besitz an Netzwerken bedeutet, dass man sie pflegen muss – indem man reist, viel reist. Logisch betrachtet gibt es...

Herzlichen Glückwunsch!

Das Deutsche Theater Berlin ist das «Theater des Jahres»! 10 von ingesamt 46 Kritiker:innen gaben dem ehrwürdigen Haus in der Reinhardtstraße ihre Stimme, weit vor den beiden Zweitplatzierten Staatsschauspiel Dresden und dem Maxim Gorki Theater mit jeweils 3 Stimmen. Oder haben sie insgeheim den Intendanten geehrt, den sich nun doch noch nicht ganz in den Ruhestand...

Ein Punkt im Raum

Ein Vater, eine Tochter im Säuglingsalter und eine (Ur-)Großmutter auf der Flucht vor der Trauer – so beginnt das neueste Stück von Wolfram Höll. Die Frau, die Mutter, die Tochter ist bei einem Autounfall tödlich verunglückt, und das trauernde Trio macht sich auf eine lange Autobahnfahrt, von Sachsen durch Landschaften, Tunnels, bis zum Zielort: ein kleines Dorf in...