Graue Gastlichkeit

nach Ariane Koch «Die Aufdrängung» am Theater Basel

Theater heute - Logo

Das sieht alles sehr grau aus: Die Gegenstände, die akkurat geordnet an der Wand kleben – alle grau übermalt. Die Lampen, die Teddies, die Tassen, die Teller, die Telefone. Auch die drei Frauen: graue Haare, graue Kleider. Eine (Elmira Bahrami) leiert zunächst ihre Sätze, das betont das graue Einerlei noch. Eine andere (besonders überzeugend: Vera Flück) begleitet vieles, was sie sagt, mit übertriebenen Gesten. Die dritte (Carina Braunschmidt) sitzt erstmal mit dem Rücken zum Publikum und schreibt dann alles auf (oder mit?).

Aber wieso schreibt sie von rechts nach links?

Auch in Ariane Kochs Roman «Die Aufdrängung», erschienen 2021 in der edition suhrkamp, ist alles ambivalent, uneindeutig, widersprüchlich. Da passt es sehr, was Marie Bues in der Bühne von Pia Maria Mackert und mit den Kostümen von Claudia Irro im Basler Schauspielhaushaus inszeniert. Koch erzählt auf knapp 180 Seiten in kurzen Kapiteln – mal nur einen Satz, mal wenige Seiten lang – aus der Sicht einer Frau, die in einer Kleinstadt unter einem dreieckigen Berg sitzt und ihr nicht entfliehen kann. Da kommt ein Gast zu ihr, den sie erfreut willkommen heißt, dann zunehmend zu drangsalieren scheint, letztlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Valeria Heintges

Weitere Beiträge
Reale Schicksale

Es ist ja ein Paradox: Rechtsbürgerliche Kreise in Zürich und namentlich die «Neue Zürcher Zeitung» führen eine Kampagne gegen das Schauspielhaus, es sei zu «woke». Zugleich sind es die «woken» Produktionen, die am besten laufen. Dass das Shop-in-the-shop-Prinzip mit acht Hausregisseur:innen und gleich vielen Splitter-Ensembles aus Tanz und Schauspiel (noch) nicht...

Keine Bühne für Täter

Er ist quasi der Täter der Herzen in der an Femiziden nicht armen Dramengeschichte: Georg Büchners Woyzeck. Wir lernen ihn als Opfer der (Klassen-)Gesellschaft kennen und, wenn auch widerwillig, verstehen. Er ist und bleibt in den meisten Inszenierungen die Identifikationsfigur. Seine Verlobte Marie, die er ermordet, bekommt gerade mal etwas Mitleid. Woyzeck – und...

Diva der Niederlage

Auf der Bühne dreht sich ein Sandhaufen mit drei weißen Monoblockstühlen, darüber kreist eine gigantische orangene Sonne aus Scheinwerfern unter Pergamenthaut (Bühne Sabine Mäder). Könnte irgendwo in der Wüste sein oder in provinzieller Einöde, vielleicht sogar ganz in der Nähe. Eine Frau, eindeutig overdressed im cremefarbenen Kleid mit hoher Taille und langem...