Diva der Niederlage
Auf der Bühne dreht sich ein Sandhaufen mit drei weißen Monoblockstühlen, darüber kreist eine gigantische orangene Sonne aus Scheinwerfern unter Pergamenthaut (Bühne Sabine Mäder). Könnte irgendwo in der Wüste sein oder in provinzieller Einöde, vielleicht sogar ganz in der Nähe. Eine Frau, eindeutig overdressed im cremefarbenen Kleid mit hoher Taille und langem Rock, betritt die Riesenbühne des An -haltischen Theaters, zwei Alukoffer in der Hand, was in der Rollkoffer-Ära leicht irritiert.
Nicht zuletzt, weil Regisseurin Mizgin Bilmen Tennessee Williams’ Drama um eine «gefallene» Südstaatenschönheit sonst ganz selbstverständlich in eine unbestimmte Gegenwart mit leichten Anklängen eines 1950er-Jahre-Retroschicks transferiert.
Mirjana Milosavljevic, seit 2016/17 festes Ensemblemitglied in Dessau, spielt Blanche Du-Bois, und sie scheint, bis hin zu einer ungemein natürlich wirkenden leichten Künstlichkeit, die perfekte Besetzung für diese feine Dame im freien Fall. Es dauert eine Weile, bis man sich wie Stella und ihr Mann Stan Kowalski an den stets appetitlich zurechtgemachten Besuch gewöhnt hat – etwas an ihr wirkt aufgesetzt, die Stimme immer einen Tick erhoben, die tadellos ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Eva Behrendt
Man könne doch das Ledersofa ins andere Zimmer vor die hellgrüne Wand tragen – das sähe bestimmt toll aus. Aenne Schwarz ist vorbereitet auf den Besuch. Zuerst trägt sie einen rot-lila-gemusterten Pullover zur weiten, blauen, fein gestreiften Hose und setzt sich damit auf das verschobene Sofa vor der grünen Wand. Dann kramt sie – an einem sonnigen, aber nicht sehr...
Auf den ersten Blick ist das Post-Brexit-London noch immer die pulsierende Weltmetropole, die es stets war. Ein Wunder an funktionstüchtigem, im Minutentakt anfahrenden öffentlichem Nahverkehr; die Verkehrswende, von der verstopfte deutsche Städte nur träumen können, längst geschafft. Die versmogte Stadt, in der sich nichts mehr bewegt, ist längst Vergangenheit....
Warum nicht einmal etwas leicht machen? Wo ohnehin alles schon schwer genug ist. Ausgerechnet die Münchner Kammerspiele, die sich sonst gern aller kursierender Probleme annehmen, verheißen das, indem sie das Urdrama eines unauflöslichen Konflikts in sogenannte «Leichte Sprache» übertragen lassen, von einer Übersetzerin, die, welch ein Omen, auch noch den schönen...
