Parents terribles
Es ist ein Märchenwinter unter den Schweizer Jungdramatiker:innen. Schon wieder «Hänsel und Gretel»: Nach Kim de l’Horizons ökoqueerem Update in Bern, in dem Gretel sich als Klima-Greta outete, nimmt sich jetzt Alexander Stutz in St. Gallen den kannibalistischen Stoff vor, und seine Grethel, merkwürdigerweise mit h geschrieben, ist so ziemlich das Gegenteil der Klimajugend. Der Hexe und ihrem Backofen kann sie entkommen, respektive überlässt ihr einfach den Bruder zum Fraß, und macht als CEO Karriere in der Wirtschaft.
«Alles so wie die weißen alten Männer», hält Stutz fest.
Als Reaktion aufs frühkindliche Trauma lässt sie über ihre Firma «Deforestion» alle Wälder samt und sonders abholzen und zu Parkings asphaltieren, es soll ja kein Kind mehr in Gefahr kommen. Hänsel verbringt seine Tage derweil auf ebendiesem Parkplatz in der Schwulenklappe und wartet auf den einen großen Fick.
Knusper, knusper, knäuschen, es ist eine eigenwillige Interpretation des Knusper-«Häuschens», nicht unbedingt jugendfrei, was Alexander Stutz uns zum Knabbern anbietet, aber durchaus zeitgemäß. Nebst Hänsel und Grethel frequentiert Grethels Tochter Wanja den Waldparkplatz und seinen 24-Stunden-Shop, eine ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Andreas Klaeui
Das sieht alles sehr grau aus: Die Gegenstände, die akkurat geordnet an der Wand kleben – alle grau übermalt. Die Lampen, die Teddies, die Tassen, die Teller, die Telefone. Auch die drei Frauen: graue Haare, graue Kleider. Eine (Elmira Bahrami) leiert zunächst ihre Sätze, das betont das graue Einerlei noch. Eine andere (besonders überzeugend: Vera Flück) begleitet...
Das 1995 im Henschelverlag erschienene Theaterlexikon der DDR würdigt den am 14. Februar dieses Jahres verstorbenen Friedo Solter als überaus vitalen, sinnlich, gestisch und sprecherisch wirkungsvollen Schauspieler und preist seine Regiearbeiten als maßstabsetzend an, «weil er auf lange Zeit einen gültigen Beitrag zur Rezeption des klassischen Erbes geleistet» und...
Erstaunliches ist der Volksbühne gelungen. Na ja, gelungen. In einem kollaborativen Kraftakt schafften es verdiente Kräfte des Hauses samt Überraschungsgästen, dem schon seit geraumer Zeit langsam, aber sicher ins Nervtötende lappenden künstlerischen Programm des Infantilisten Jonathan Meese ein nicht unerstaunliches Quantum neues Leben einzuhauchen. In gut zwei...
