Im Archiv der aussterbenden Dinge
Am Anfang war die Sehnsucht. Carla Wierer, Freiburgerin, Abitur frisch in der Tasche, packt die Koffer und reist nach Peru. Fernweh hieß das früher, ein beinahe ausgestorbenes Lebensgefühl aus Zeiten, als es noch utopisch war, dass 19-Jährige mal eben ein Praktikum an der Südpazifikküste einfädeln könnten.
Carla Wierer konnte es. Das war 2009. Sie dockt beim renommierten Teatro Yuyachkani in Lima an.
Drei Jahre darauf schlägt ihr Bruder Leon denselben Reiseweg ein, zurrt den Kontakt in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur fester, organisiert 2013 ein Gastspiel des Freiburger Cargo-Theaters im Haus des Yuyachkani-Kollektivs. Fünf Jahre später: Mittlerweile sind Carla und Leon Wierer die Next Generation im Cargo-Theater. Ihre Eltern, Stefan Wiemers und Margit Wierer, hatten das Label im Geist der freien Kinderund Jugendtheaterszene etabliert. Da kommt der Long Distance Call aus Lima: Jorge Baldeon, Carlas und Leons WG-Mitbewohner und Yuyachkani-Mitglied, schlägt eine Koproduktion vor.
Interkulturelles Engagement war Cargo schon immer ein Anliegen. Genauso wie Yuyachkani in Peru, eine Gruppe, die seit der Gründung in den 1970ern auf staatskritische Unabhängigkeit Wert legt und ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Reuter
Jetzt ist sie amtlich, die Horror-Saison 2020/21. Der Deutsche Bühnenverein hat seine Statistik vorgelegt – mit der üblichen Zeitverzögerung, die offenbar nötig ist, um alle Zahlen der Theater zusammenzutragen. Nach dem ersten Pandemiestart und einem dreimonatigen Lockdown ab März 2020 war man einigermaßen hoffnungsvoll in die neue Spielzeit gestartet, nur um im...
In dem schönen Ort Maria Blut
werden alle Schmerzen wieder gut,
bringst der Gottesmutter nur aus Wachs die Hand
und dann brauchst kein Medizin und kein Verband,
Medizin und Verband viel Geld dir kosten tät,
sie aber machts für ein Gebet.
FIGUREN
(Besetzung der Uraufführung der Bühnenfassung im Wiener Akademietheater)
Stimme der Erzählerin (Stefanie Dvorak)
Doktor...
Alle drei Jahre wechselt beim Augsburger Brechtfestival turnusmäßig die künstlerische Leitung. Dabei gehört es jeweils zum Narrativ, dass der Neue (eine weibliche Kuratorin gab es bislang noch nicht) die ganze Veranstaltung erst einmal wachküssen muss. Als wäre das, was die Vorgänger hinterlassen haben, ungenießbar alter Kaffee.
Ein ewiges Ringen um Neubeginn...
