Geschichten vom Gelingen
Wenn wir im Theater eins gut können, dann die Verdichtung gesellschaftlicher Themen zu dramatischem Stoff. Das, was in den letzten Monaten in dem kleinen Dorf Lützerath in NRW passiert ist, ist der Stoff, aus dem monumentale Geschichten gesponnen werden, eine antike Tragödie, ein Erzählmuster, dass sich die Menschheit seit Jahrtausenden erzählt: David gegen Goliath, Sieben gegen Theben. Aber auch: das Orakel von Delphi, das die Apokalypse prophezeit und die Suche einer Gesellschaft nach dem Ursprung kollektiver Schuld.
Wir alle stecken mitten in dieser großen Erzählung, wir wissen, dass wir auf einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte zusteuern, schauen und lesen täglich von dramatischen Veränderungen, sehen einige wenige Held:innen aufbegehren und fühlen uns meistens: ohnmächtig.
Obwohl das Theater seit seiner Entstehung von fast nichts anderem als von Krisen und Katastrophen handelt, tun wir uns schwer damit, die Klimakatastrophe zu erzählen, das ist zumindest meine Beobachtung. Seit 2014 bin ich als künstlerische Leiterin von SAVE THE WORLD auf der Suche nach theatralen Umsetzungen, die die Klimakrise für die Bühne bearbeiten. Ich sehe und finde einiges Großartiges, aber ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Nicola Bramkamp
Jürgen Flimm war der moderne Bruder von Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon, ein zumeist liebenswürdiger und liebenswerter Geysir, der mitunter auch zum gefährlich brodelnden, Feuer und Mordio speienden Vulkan werden konnte. Er tanzte auf vielen Hochzeiten, aber weiß Gott nicht auf allen. Dieser neuzeitliche Striese war auch ein kluger Stratege, ein gewiefter...
In «She Came to Me», dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, überwindet ein Komponist seine Schaffenskrise, indem er einer Schlepperkapitänin zum One-Night-Stand in ihre Kajüte folgt. Normalerweise wäre das nicht der Rede wert – jedenfalls nicht an dieser Stelle, an der es darum geht, das Festivalgeschehen durch die Theaterbrille zu betrachten und auf...
Alexander Kerlin Maria Lazar hat ihren Roman «Die Eingeborenen von Maria Blut» 1935 beendet, im Exil in Dänemark. Sie schreibt über die Jahre, die unmittelbar davor liegen. Das heißt, sie weiß mehr als die Figuren: zum Beispiel, dass die Februarkämpfe 1934 kommen. Ist der Roman eine Art Vorgeschichte zu diesen Ereignissen?
Lucile Dreidemy Der Roman ist sowohl...
