Vergiftetes Erbe
Das Heilwasser ist eine Giftkloake. Ibsens «Volksfeind» kommt immer da zum Einsatz, wo die Theater sich Umweltverschmutzung und ihrer Vertuschung, Fakten und Fake News annehmen wollen. Die Bühnen Bern haben nun ein junges Team einen Blick darauf werfen lassen: den gegenwärtigen Hausautor Dmitrij Gawrisch und die Regisseurin Selen Kara, die ab Herbst Ko-Intendantin in Essen wird. Was sehen sie in Ibsens Umwelt- und Politintrigen?
Eine fremde Welt.
Das Publikum sitzt im Arena-Setting von Lydia Merkel zu vier Seiten eines verglasten Würfels, Ibsens Figuren sind darin ausgestellt wie in einer Museumsvitrine. Not -gedrungen oft mit dem Rücken zu den Zuschauer:innen, so dass sie noch mal abgewandt anmuten. Und auch wenn sie sich zwischen ihren Auftritten ins Publikum setzen, wirken sie isoliert, versunken in Textbücher, ohne Bezug zur Umgebung. In den Grau-in-Grau-Fantasykostümen von Anna Maria Schories sehen sie aus wie verstaubte Antiken.
In frischem Wassergrün tritt einzig Petra Stockmann auf (Genet Zegay), die Tochter des kämpferischen Kurarzts. Sie will mit ihrem Vater die Wahrheit ans Licht bringen, als Lehrerin die Kinder das Fragen lehren. Aber auch ihr geht der ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Andreas Klaeui
Für die Theater waren die Corona-Lock- downs 2020 und 2021 eine traumatische Erfahrung. Für das Ökosystem weniger: Nur kurze Zeit standen Fabriken, Verkehrsmittel und öffentliches Leben still, und schon schien sich die Natur vom Einfluss des Menschen zu erholen, schon verzog sich der Smog, und die Verschmutzung der Ozeane ging spürbar zurück. Diese Erkenntnis ist...
Die Tür klemmt, fliegt dann mit einem Ruck auf, ein Knäuel Personen poltert in die leere Altbauwohnung, die Letzte bleibt mit ihrer Handtasche am Türknauf hängen. Huch! In der ersten Sekunde ist eigentlich alles klar über diesen Abend, «Der Haken», uraufgeführt am Schauspiel Bonn in der Regie von Roland Riebeling: Schauspielerisch sind alle ständig etwas drüber,...
«Wo steht unser Mandelbaum?», fragte die Lyrikerin Hilde Domin im Exil der Dominikanischen Republik in den 1940er Jahren. Der Baum als Symbol für ein Zuhause der Kindheit. Für sie stand er in Köln. Und ihre Heimat war die deutsche Sprache. «Wo steht dein Maulbeerbaum?», fragt die georgische Regisseurin Tamó Gvenetadze heute in Bochum. Für sie stand er in der Stadt...
