Wahrgewordene Befürchtungen
Ganz am Ende dann gibt sich die Autorin zu erkennen, und in einem langen Monolog spricht sie von der Normalität, die sie sich wünscht in diesen Zeiten des Krieges, der Unordnung. Es sind ganz banale Dinge, die ihr einfallen: Einen neuen Vorhang will sie für die Wohnung kaufen, Stangen, an denen sie ihn anbringen kann. In die Stadt will sie fahren, shoppen, wieder heim kommen, es gemütlich, ihre Ruhe haben.
Aber der Zuschauer kann längst nicht mehr daran glauben, dass dieser Wunsch noch jemals in Erfüllung gehen könnte. Die Stunde zuvor ist er im Bamberger E.T.A.
-Hoffmann-Theater hineingerissen worden in den Strudel der Gewalt, in die Sackgassen der Ausweglosigkeit, in die Sprache der Täter und die Schreie der Opfer. Er hat sich durch diese «Zerstörten Straßen» bewegt, die dem fragmentarischen Theaterstück von Natalia Vorozhbyt den Namen gaben und die ein Sinnbild sind für den Zustand eines Landes, das an seinen Rändern brennt, dessen Landstriche verwüstet und Orte unbewohnbar sind. «Zerstörte Straßen» ist eine der ersten dramatischen Auseinandersetzungen mit den Geschehnissen in der Ukraine; die Bamberger haben es in der Regie von Wojtek Klemm in einer erschreckend nüchternen, ...
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Theater heute 1 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack
Im Mai 1972 machte die Rote Armee Fraktion unmissverständlich klar, dass sie nicht nur Banken, sondern auch Sprengstoff kann. Sie bombte sich mit sechs Anschlägen ins Bewusstsein der westlichen Wertegemeinschaft, einer der Anschläge galt dem Hauptquartier der United States Army Europe and Seventh Army (USAREUR). Auf einem Parkplatz des Headquarter, in dem die...
Gute Sache erstmal, keine Frage. Über 1300, zum Teil hochprominente deutschsprachige Theaterkünstler:innen bekennen sich in einer Resolution solidarisch mit den Aktionen der «Letzten Generation», die sich auf Autobahnen oder an berühmten Kunstwerken festklebt, um auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen, in die wir alle reinsteuern, wenn wir nicht schnellstens...
Wie spielen mit der Erinnerung? Was hilft, was verfälscht, welche Grenzen sind zu respektieren, welche gilt es zu überschreiten? Für die Münchner Kammerspiele hat Nuran David Calis ein Stück über die frühen 1990er Jahre und die menschenverachtenden Anschläge von Mölln geschrieben, aus Sicht einer türkischstämmigen Familie, die nicht unmittelbar betroffen ist und...
