Die Puppe – Kunstfigur, Ichfigur

Wie die Theaterbühne Elfriede Jelinek festhält: von Puppen, Körpern, Frisuren und Fragen der Repräsentation

Nach ihren zwei ersten Theaterstücken veröffentlichte Elfriede Jelinek im Jahr 1983 in der Zeitschrift «Theater heute» eine kernige Absage an das Theater heute, mit der sie rücksichtslos an dessen Grundfesten rüttelt. Ihr Text «Ich möchte seicht sein» erzeugte bei den Bühnen schnell eine gewisse Gereiztheit.

Denn für die Betroffenen, Regisseure, Schauspieler, klangen Sätze wie diese höchst verächtlich: «Wenn der Herr Regisseur in die Ewigkeit hineingreift und etwas Zappelndes herausholt, dann ermordet er alles, was war, und seine Inszenierung, die doch ihrerseits auf Wiederholung gegründet ist, wird zum Einzigen, das sein kann.» Oder gar gefährlich: «Wie entfernen wir diese Schmutzflecken Schauspieler aus dem Theater?» Worauf sie einschlug, ließe sich vielleicht mit dem Begriff «Burgtheater» auf einen Nenner bringen; ihr folgendes Theaterstück von 1985 trug diesen Titel, und sein Wahnwitz führt die Quint -essenz des Traktats vor Augen: «Ich will keinen sakralen Geschmack von Göttlichem zum Lebenerwecken auf der Bühne haben. Ich will kein Theater». 

Als Überzeugungsarbeit für ihre Schauspiele lieferte die Attacke spitze Stolpersteine. Die zuständigen Kontaktpersonen in der ...

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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Essay, Seite 42
von Ute Nyssen

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