Zwischen zwei Welten

Theater kann ein Machtding sein: Sarah Kilter im Gespräch über ihr Stück«White Passing», das zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen ist und diesem Heft beiliegt

Eva Behrendt In Ihrem Stück «White Passing» geht es viel um Wohnungen und Berliner Stadtteile, unter anderem, weil sich daraus – vermeintlich, aber auch real – Klassen- und Statusfragen ablesen lassen. Wo befindet sich die Wohnung, aus der Sie gerade zoomen?
Sarah Kilter Die liegt, anders als im Stück, weder im Wedding noch in Charlottenburg, sondern in Prenzlauer Berg.

Oh, und schon habe ich das Gefühl, ich müsste das erklären und entschuldigen! 

EB Hey, Nachbarinnen! Und diese Fotos im Hintergrund, was zeigen die?
Kilter Das sind Fotografien aus der DDR, die ich im Internet bestellt habe. Das eine zeigt die Karl-Marx-Allee in Ostberlin, das andere ist aus Halle. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich in der Karl-Marx-Allee wohnen, denn diese Straße macht was mit mir!

EB Welches Verhältnis haben Sie zur DDR?
Kilter Mein Vater hat dort eine Zeitlang als Gastarbeiter gearbeitet, bis die Wende kam. Meine Familie mütterlicherseits kommt aus Westberlin, meine Mutter ist im Wedding geboren und in Spandau aufgewachsen, aber immer, wenn wir mal in den östlichen Bezirken unterwegs waren, und das war nicht oft, wurde eigens betont: «Jetzt sind wir im Osten!» Oder beim Kassierer im ...

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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Das Stück, Seite 40
von Eva Behrendt

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Sarah Kilter: White Passing

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