Alte Meister

Lars Eidinger in einer Reihe mit niederländischer Genremalerei des 17. Jahrhunderts, da kann man nur verlieren: die Ausstellung «Klasse Gesellschaft» in der Hamburger Kunsthalle

«Ich bin so wenig Schauspieler, wie Sie Journalist sind», sagt Lars Eidinger, und was hier gedanklich hübsch verdreht daherkommt, ist tatsächlich die Grundprämisse, mit der Eidinger die Hamburger Kunsthalle bespielt. Als Fotograf und Videokünstler, nicht als Theater-, Film- und Fernsehstar. «Ich fotografiere schon mein gesamtes Leben, seit 1982 beschäftige ich mich mit dieser Kunst!», meint der 1976 geborene, hm, Nachwuchskünstler.

Eidinger ist eine Celebrity, und Boulevardprominenz taugt eben auch dazu, in dem Schnappschuss, den ein Sechsjähriger von seinem Goldhamster macht, einen Nachweis künstlerischen Talents zu sehen. Aber ein bisschen traurig ist es schon, wie verzweifelt Eidinger versucht, sich hier ein Aufenthaltsrecht herbeizureden. 

Und vielleicht ist es auch ein bisschen unfair, wie ihn die Kunsthalle auflaufen lässt. Kuratorin Sandra Pisot hat mit der Ausstellung «Klasse Gesellschaft. Alltag im Blick niederländischer Meister» (bis 27. März 2022) ein ganz großes Fass aufgemacht, weil schon die Grundidee der Schau einen Epochenbruch darstellt: Das 17. Jahrhundert war erstens die Zeit, in der der Alltag als malerisches Sujet an Relevanz gewann, zweitens die Zeit, als ...

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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Falk Schreiber

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