Das schuldige Herz

Steve Sem-Sandberg geht in seinem Roman «W.» den Spuren des historischen Woyzeck nach

Es war ein lausiges Leben, das W. führen musste. Kurz war es auch (1780–1824), voller Erniedrigungen, Entbehrungen, bestimmt von Krieg und Gewalt. Und unerfüllter Liebe. Schließlich dann diese Tat, die unentschuldbar, möglicherweise doch erklärbar ist: blinde Eifersucht? Am 21. Juni 1821 ersticht Johann Christian Woyzeck die Witwe Johanna Woost. 

«Stich, stich die Woostin tot. Stich sie tot, tot!» Das waren die Worte, die vor der Tat in Woyzecks wirren Kopf herumtobten.

Er konnte sich nicht erinnern, sagte er beim Polizeiverhör, woher sie kamen: Hatte er sie selber gesprochen, flogen sie ihm zu, war da irgendwo eine Stimme, die ihn drängte? Als hätte ihn die Hand eines Riesen gepackt, stammelte er vor den Beamten, die so «verstummend» war, «dass es ihm vorgekommen sei, als wäre nicht das Geringste geschehen, als wären die Worte nicht einmal gesprochen worden». Ein schuldig Unschuldiger? Ein Mörder, den man eigentlich nicht belangen kann, weil es vielleicht doch nicht sein «freier Wille» war zu töten? Ein Irrer? 

Der Fall und die Figur: Beides hat von Georg Büchner über Alban Berg bis Werner Herzog Interpreten herausgefordert, diesen Woyzeck literarisch, musikalisch, filmisch zu ...

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Theater heute November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Bernd Noack

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