Borke und Baum
Immer wieder liegt derselbe Stolperstein im Weg, Skepsis und Zweifel beunruhigen, verunsichern und hemmen immer wieder neu. «Warum ich?», fragt sich Anja Herden jetzt, wo sie erzählen soll von sich selbst. «Bin wirklich ich gemeint?» Oder geht es wieder um den «Diskurs», zu dem sie nun mal gehört und für dessen Beglaubigung sie womöglich gerade herhalten soll. Erklärtermaßen tut sie das gern beispielhaft, weil sie nun mal eine Pionierin war, ob sie will oder nicht.
Sie selber aber fragt sich: «Wie rede ich über mich und meinen Weg im Theater?» Empfunden jedenfalls hat sie die eigene Sonderrolle vor über zwanzig Jahren nicht – eine der ersten nichtweißen Schauspielerinnen zu sein, als sie sich auf den Weg machte: «Ich war Schauspielerin und wollte einfach nur meinen Beruf möglichst gut machen. Das war mein Beitrag.» Zweifel am eigenen Ich gab’s genug, auch jenseits der Hautfarbe, mit der sie aus dem Rahmen fiel: «Zu dick, zu dumm, nicht gut genug für den Beruf …» – Selbstzweifel dieser Sorte seien ihr Problem gewesen; «… aber nicht: zu schwarz.»
Mehrheitlich gehen junge Schauspielerinnen und Schauspieler mit – so sagt Herden – «BiPoc-Hintergrund», also «black and indigenous people ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Michael Laages
Weder Seelenfrieden-Tee noch Putztherapie: Diesem Mann (Philippe Goos) ist nicht zu helfen. Er ist ein hektischer Hysteriker, ein dauernervöser Hypochonder, eine Drama-Queen, ein Herzinfarkt-Kandidat, eine Heulsuse. Er ist «Der eingebildete Kranke» aus Martin Heckmanns Molière-Überschreibung. Anne Lenk inszeniert das Stück – wie auch ihre zum Theatertreffen 2021...
Am Ende des dreitägigen Bundesforums waren die Impulse vom Anfang fast vergessen. Die Rede der Dramatikerin Sivan Ben Yishai (abgedruckt auf den vorigen Seiten) beispielsweise, die ihre Überlegungen zum «Skript» mit dem zu diesem Zeitpunkt noch erwartungsvollen, aufnahmefähigen Publikum teilte. Sie mahnte, dass die bevorstehende Konferenz – ebenso wie all die...
Der Hauptbahnhof Gelsenkirchen ist deprimierend. Überquellende Mülleimer, Geruch von altem Dö -ner, auf zwei Ebenen irgendwelche Shops, tätowiert herumstehende junge Männer. Und dann hat man das gelbe Schild mit dem QR-Code doch noch gefunden, steigt aufs selbst mitgebrachte Fahrrad und folgt den Pfeilen, die an Laternenpfählen oder Zäunen angebracht sind. Und...
