Strömen statt Streamen

Ich bin, das mal vorausgeschickt, keine technikaffine Person. Immer, wenn ich ins Internet gehe, weiß ich nicht genau, was ich da eigentlich soll. Das Überangebot an Möglichkeiten verschreckt mich. Um es nutzen zu können, müsste ich ja wissen, was mich interessiert. Oft weiß ich das nicht. Beziehungsweise, es interessiert mich eigentlich alles! Diese Einstellung ist im Internet ein Problem.

Im echten Leben hilft mir da zum Beispiel das Leporello eines Theaters.

Auf 30 Tage verteilt, kann ich zwischen einer Handvoll Inszenierungen wählen, die Hälfte ist eh bereits ausverkauft, und am Ende bleibt ein Tag, an dem auch ich keine Probe, kein sogenanntes Privatleben und keine Vorstellung habe, an dem ich dann ins Theater gehen kann. Dort komme ich in den Genuss einer Darbietung, die mich schon allein deswegen nicht enttäuschen kann, weil ich nicht das Gefühl habe, etwas zu konsumieren, dass durch einen Algorithmus perfekt auf mich zugeschnitten ist. Ich erwarte nicht, dass mir gefällt, was ich sehe. Und das ist gut so. Das Spektrum an möglichen Emotionen und Gedanken, dass sich mir durch dieses zufällige Ereignis eröffnet, ist für mich eine der großen Bereicherungen meines Lebens. Ob ich ...

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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 80
von Svenja Liesau

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