Der Anfang einer neuen Allmende
Rückzug, Rückzug, Rückzug. Nach Monaten der Ebbe folgt – noch mehr Ebbe. Wohin ist das Meer gegangen? Wohin ist das gegangen, was allen gehört? Was unsres war, und was jetzt fehlt? Man hat uns erzählt, Gegenwart sei anders gar nicht denkbar. Als in Räumen, die nicht denen gehören, die sie beleben. Öffentlichkeit – der Virus frisst sie nicht, sondern legt ihr marodes Fundament frei.
Ich bin hier im Theater. Auch das ein öffentlicher Raum. Entgegen anderslautender Behauptungen ist das Gute am Theater, dass es nicht systemrelevant ist.
Dass es nicht stattfindet, um etwas am Laufen zu halten. Dass es sich der Um-zu-Logik entzieht – bestenfalls.
Echtenfalls wird Steuergeld selbstverständlich ausgegeben, um die herrschende Ordnung zu zementieren.
Dabei gehts ja um was anderes. Sagen wir zum Beispiel: um die Bühne.
Die Bühne ist eigentlich ein Zwischenraum – hier stehst du und hier steh ich und zwischen uns: eine Fuge, eine Leimfuge vielleicht, etwas Klares oder Milchiges, etwas, das flexibel ist wie Silikon, oder zwar fest, aber leicht löslich, wie der ausgehärtete Hasenleim, der unter einigen Tropfen Wasser nachgibt. Und zwischen uns: eine Fuge, eine Wachstumsfuge vielleicht, die ...
ENIS MACI, geboren 1993 in Gelsenkirchen, hat Literarisches Schreiben in Leipzig und Kultursoziologie in London studiert. Für ihre ersten Stücke «Lebendfallen» und «Mitwisser», 2019 nominiert für den Mülheimer Dramatikpreis, wurde sie 2018 und 2019 zur «Nachwuchsdramatikerin des Jahres» gewählt. In der Spielzeit 2018/19 war Enis Maci Hausautorin am Nationaltheater Mannheim. Ihr Stück «WÜST» wird zu Beginn der nächsten Spielzeit am Theater Bremen uraufgeführt
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 62
von
nature is not natural – and it can never be naturalized
timothy morton
Was wollen wir denn eigentlich von der Natur, die sich gerade wieder aufs Allerdeutlichste durch den Klimawandel zurückmeldet, ohne dass wir eigentlich irgendeine Idee davon haben, was diese Natur denn tatsächlich sein könnte? Also, wir haben natürlich viele Ideen von der Natur, spätestens seit...
Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist...
Es gibt gute Gründe, gerade jetzt intensiv mit Theaterautor:innen zusammenzuarbeiten. Viele von uns Autor:innen haben die Krise sehr intensiv erlebt. Damit meine ich nicht nur das Wegbrechen von Einnahmen oder den Verweis mancher Politiker, als Soloselbständige gegebenenfalls «auf die Grundsicherung» – Klartext: auf Hartz IV – zurückzugreifen. Wie man oder frau...
