Allen eine Plattform bieten

Der Bühnenbildner Jonathan Mertz im Gespräch über Teamwork und künstlerische Eigenständigkeit

Eva Behrendt Ihre Bühne für Christopher Rüpings Inszenierung von Jean-Luc Lagarces «Einfach das Ende der Welt» hat einen großen Auf- und ebensolchen Abtritt. Die sterbenskranke Hauptfigur  Louis, die am Schauspielhaus Zürich wie der Protagonist Benjamin Lillie Benjamin heißt, kehrt nach jahrelanger Abwesenheit nach Hause in die Provinz zurück. Auf der Bühne geht Benjamin mit der Handkamera durch ein aufwendig rekonstruiertes Setting, eine detailgetreu eingerichtete Elternhauswohnung.

Danach wird diese von einer Schar von Techniker*innen wieder abgebaut, und die konfliktreiche Begegnung des Künstlers mit seiner Familie findet im leeren Raum statt, mit Blick auf die Kulissenrückseiten. Was ist das für eine Wohnung, und warum muss sie so schnell wieder weichen? 
Jonathan Mertz Diese Wohnung ist das erinnerte Zuhause einer Kindheit, die nicht mehr da ist, aber trotzdem im Raum steht. Wie Lagarce haben wir die eigene Biografie als Anlass genommen für eine Frage, die auch andere Menschen interessieren könnte: Wie tief steckt uns die eigene Sozialisation in den Knochen, und können wir uns davon frei machen? Deshalb bin ich von der Wohnung ausgegangen, in der ich aufgewachsen bin. Ich habe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2021
Rubrik: Akteure, Seite 24
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Festival 1: Double Feature

Neun Tage Festival, ein Dutzend Hochschulen, 23 Produktionen: «So viel junges Theater gab es beim Körber Studio noch nie», beschreibt Thalia-Intendant Joachim Lux die Ausgabe des diesjährigen Festivals «Körber Studio Junge Regie». Was euphemistisch nach Rekorden klingt, ist natürlich eine bittere Folge der Pandemie-bedingten Theaterschließungen. Entsprechend musste...

Im Zweifel für den Zweifel

Was die Kunst, was das Theater kann und soll – die Fragen scheinen nach der Pandemie einerseits beantwortet: den Blick weiten, uns unserem Alltag und seinen immergleichen Problemen entreißen, um uns mit den Fragen anderer Menschen konfrontieren, mit ihrem Wünschen und ihrem Begehren, nachdrücklich, ästhetisch herausfordernd. In einem festgelegten Zeitraum, den ich...

Magic Moments. Auszug aus dem aktuellen Arbeitsstand

(D) feierst du alleine? 
(E) nein (lacht) ich dachte, hier findet eine Silvesterfeier statt 
(D) ja eigenartig, das dachte ich auch (lacht) ich dachte am Strand sind bestimmt schon ein paar Menschen, die angefangen haben zu feiern 
(E) ja, ein paar Menschen mit Musik und Getränken, das dachte ich auch
(D) aber es sieht nicht nach einer Feier aus, im Gegenteil (lach...