Im Zweifel für den Zweifel

Ingeborg Bachmanns «Malina» und Thomas Melles «Ode» am Schauspiel Frankfurt

Was die Kunst, was das Theater kann und soll – die Fragen scheinen nach der Pandemie einerseits beantwortet: den Blick weiten, uns unserem Alltag und seinen immergleichen Problemen entreißen, um uns mit den Fragen anderer Menschen konfrontieren, mit ihrem Wünschen und ihrem Begehren, nachdrücklich, ästhetisch herausfordernd. In einem festgelegten Zeitraum, den ich mit anderen Menschen teile, wenn zurzeit auch denkbar undionysisch distanziert und maskiert, anwesend und abwesend zugleich. Fraglos fehlte all dies in den Monaten harter und weicher Lockdowns.

 

Und dennoch: Nach den gravierenden politischen und sozialen Problemen, auf die die Pandemie uns nun seit fast anderthalb Jahren ununterbrochen hinweist, all die vorhandenen Schieflagen, die sie gnadenlos markiert – von der internationalen Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Sauerstoff wie Impfstoffen bis zur erhöhten Sterblichkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen auch in den Industrienationen –, da muss das Theater nun halt auch erstmal mit. Das steht nun alles im Raum, da kann man schwer zurück zum Kanon, als sei nichts gewesen.

Am Schauspiel Frankfurt gelingt der analoge Neustart in dieser Hinsicht durchaus: Mit Ingeborg ...

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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Esther Boldt

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Intro. 
Hemerophile 1

/ Taubengurren1, elektronisch oder aus den Mündern der Darstellenden / 

Die Taube bewegt ihren Kopf vor und zurück. 
Sie ist kultiviert, zausig, meist grau, bisschen grün noch mit drin und auch lila.
Die Taube bewegt ihren Kopf vor und zurück. 
Mehr Sexy, mehr Haltung, mehr Verve wär schön. 
Die Taube pickt Dürüm, pickt...